Zeitgeist 2007

Dienstag, 18. Dezember 2007, 19.51 Uhr | Giesbert Damaschke

Was haben die Wörter Zeitgeist, Kindergarten, Gesundheit (als Ausruf nach dem Niesen) und Angst gemeinsam? Richtig, es handelt sich um vier Beispiele für deutsche Worte, die es auch im Englischen gibt. Offensichtlich scheinen diese (und eine Handvoll anderer Wörter) für englischsprechende Menschen nicht adäquat übersetzbar zu sein, so dass man sie als Fremdwörter in die eigene Sprache geholt hat. Manche dieser Wörter machen regelrecht Karriere, zum Beispiel “Zeitgeist”.

So nämlich nennt Suchgigant Google die statistische Auswertung der Suchabfragen. Am Jahresende wird Bilanz gezogen – welche Themen haben die Menschen am meisten interessiert? Welche Suchbegriffe gewannen am schnellsten an Popularität, welche verloren sie?

Einige Ergebnisse sind auch ohne Analyse vorherzusagen. So gehörte etwa “world cup” oder “fifa” im Jahr der Fußballweltmeisterschaft 2006 zu den am schnellsten wachsenden Anfragen. In diesem Jahr führt “world cup” die Liste der Suchbegriffe an, die am schnellsten an Bedeutung verloren haben. Ähnlich ergeht es dem Suchbegriff “mozart”, der im Mozartjahr 2006 eine steile Karriere hinlegte, um in diesem Jahr genau so steil wieder abzustürzen.

In diesem Jahr war “iphone” der Renner und legte bei den Anfragen am stärksten zu. Ein deutliches Zeichen dafür, dass Apples Handy zumindest in diesem Jahr für erhebliches Aufsehen gesorgt hat. Ob das im nächsten Jahr allerdings noch immer so sein wird, kann man getrost bezweifeln.

Bemerkenswerter sind allerdings die Plätze zwei bis zehn – dort finden sich Badoo, Facebook, Dailymotion, Youtube, Ebuddy, Hi5 und Club Penguin. Dabei handelt es sich durch die Bank um Web-2.0-Projekte, also um Sites, bei denen die Inhalte von den Besuchern kommen, die sich online zu “Communities” zusammenschließen.

Lediglich der fünfte Platz tanzt mit der Plüschtiermarke Webkinz ein wenig aus der Reihe. Aber nur ein wenig. Denn wie der Name schon andeutet, gibt es bei diesen Plüschtieren eine Web-Anbindung. Jedes Plüschtier besitzt einen “Geheimcode”, mit dem sich die Kinder auf der Webkinz-Seite anmelden können.

Keine Frage: “Gemeinschaften im Netz” sind in diesem Jahr der vielleicht größte und wichtigste Trend, sie bilden eine der bestimmenden Strömung des aktuellen Zeitgeists.

Auch hier bleibt abzuwarten, ob dieser Trend anhält, oder ob es sich hier um ein Strohfeuer handelt, dem unausweichlich die Pleite folgen wird. Immerhin verspotten Kritiker die teilweise blindwütige Begeisterung der Investoren für alles, was sich als “Web 2.0″ bezeichnet, gerne als “Bubble 2.0″ und erinnern an das Platz der Internet-Blase vor rund sieben Jahren, als die hochgepuschten IT-Aktien gleich dutzendweise einbrachen und Startup-Pleiten an der Tagesordnung waren.

Bei den populärsten Anfragen (unabhängig von der Wachstumsgeschwindigkeit) führt allerdings die Show “American Idol” (die US-Version von “Deutschland sucht den Superstar”) die Rangliste an. Allerdings folgt hier auf Platz zwei bereits Youtube, was ein deutliches Indiz für die große Bedeutung er Video-Plattform ist. Auch das iPhone finden hier wieder, allerdings erst auf Platz sechs. Nach Britney Spears, aber vor Paris Hilton. Immerhin.