Yahoo baut aus

Dienstag, 20. Dezember 2005, 15.32 Uhr | Giesbert Damaschke

Der Strom an neuen Meldungen in Sachen Suchmaschinen ist derart von Google dominiert, dass man fast vergessen könnte, dass es noch andere Firmen gibt, die sich in diesem Marktsegment tummeln. Yahoo zum Beispiel.

Dabei ist Yahoo nicht nur eines der dienstältesten kommerziellen Angebote im Netz und länger online als Google, sondern auch eines der finanziell erfolgreichsten Internet-Portale und derzeit dabei, sein Imperium durch geschickte Zukäufe und neue Dienste zu erweitern.

Premiumdienste bringen Geld

Was bei zahlreichen anderen Anbietern im Netz eher schleppend oder gar nicht funktioniert, zahlt sich für Yahoo nach einigen Anlaufschwierigkeiten aus: Kostenpflichtige Premiumdienste wie E-Mail, Homepages, Dating-Servis, Musikdownloads. Inzwischen machen diese Dienste rund 13 Prozent des Gesamtumsatzes aus – Tendenz steigend.

So meldete Yahoo zum Abschluss des dritten Quartals 2005 einen Gesamtumsatz von 1,33 Milliarden US-Dollar, was einem Umsatzanstieg von 47 Prozent entspricht. Dabei entfielen rund 170 Millionen Dollar auf kostenpflichtige Dienste. Das ist ein Plus von 55 Prozent.

Was macht Yahoo mit seinem Geld? Zum einen fließen die Einnahmen natürlich in den Ausbau der bisherigen Leistungen. Doch Yahoo steckt seit einiger Zeit auch eine Menge Geld in die Forschung – und in den Kauf anderer Firmen und Technologien.

Das Yahoo-Handy

Ein Beispiel ist etwa das geplante “Yahoo-Handy”, das man laut einem Bericht des Wall Street Journals gemeinsam mit einem Handy-Ausrüster entwickelt. Ziel ist, sich den wachsenden und immer wichtiger werdenden Mobilfunkmarkt zu sichern und im Kampf bei der mobilen Netznutzung an vorderster Front mit dabei zu sein. Das Handy selbst soll angeblich von Nokia gebaut und Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen.

Yahoo und Internet-Telefonie

Neben dem Internet auf dem Handy ist das Telefonieren via Internet der zweite große Bereich, in dem die bislang getrennten Sprach- und Datendienst zusammenwachsen. Auch hier ist Yahoo aktiv, wenn auch etwas spät eingestiegen. In Kürze will das Unternehmen mit betont aggressiven Angeboten den Markt aufmischen und der hier bereits tätigen Konkurrenz das Fürchten lehren.

Yahoo goes TV

Auch der Fernsehmarkt wächst immer stärker mit dem Internet zusammen – kein Wunder, dass Yahoo auch hier investiert. So bietet man nicht nur mit “Yahoo TV” ein eigenes Fernseh-Portal, sondern seit kurzem auch einen besonderen Service für Besitzer eines Recorders der Firma Tivo. Den nämlich kann man via vom TV-Portal aus direkt via Internet programmieren. So verpasst man auch dann keine Sendung mehr, wenn man den ganzen Tag nicht nach Hause kommt.

Yahoos RSS-Reader

Yahoo bietet seinen Besuchern die Möglichkeit, die Webseite zu personalisieren. Wer diesen Dienst nutzt, kann seit kurzem über Yahoo auch beliebige RSS-Feeds verwalten und benötigt keinen eigenen RSS-Reader mehr.

Yahoo kauft “del.icio.us”

Vor gut einer Woche gab Yahoo bekannt, dass man den Lesezeichen-Dienst “del.icio.us” gekauft habe. Dabei handelt es sich um eine webbasierte Bookmark-Verwaltung mit Community-Services. Neben der bereits im März gekauften Foto-Community “Flickr” ist dies der zweite strategisch wichtige Zukauf. Beide Angebote gelten als erfolgreiche Beispiele für die kontinuierlich an Bedeutung gewinnende so genannte “soziale Software”.

Yahoo kooperiert mit “Six Apart”

In die gleiche Richtung weist jüngste Kooperation zwischen Yahoo und “Six Apart”, dem Hersteller der beliebten kommerziellen Blog-Software “Movabel Type” her.

Kurz: Yahoo scheint in der letzten Zeit auffallend stark damit beschäftigt zu sein, in neue Technologien und Nutzungsfelder zu investieren. Sei es die Verschmelzung von Daten- und Sprach- und TV-Diensten (Stichwort: Triple Play), sei es das Engagement in Sachen “social software” (Stichwort: Web 2.0) – es sieht nicht danach aus, als wollte Yahoo im Kampf um neue Märkte den beiden Hauptkonkurrenten Google und MSN ein leichtes Spiel bieten.