Wo bleibt die Kommunikations-Flatrate?
Kürzlich traf ich mich mit einigen Kollegen zum Essen und wir plauderten über dies und das. Dabei erzählte eine Kollegin, dass sie nun bald für ihr Firmennotebook auf UMTS umsteigen werde, um unterwegs nicht immer von verfügbaren WLAN-Hotspots abhängig zu sein.
“Das kriegst Du nie durch”, hieß es sofort, “das ist viel zu teuer!” – “Kann gar nicht sein”, meinte sie. Schließlich habe doch (sie nannte den Namen eines anderen Kollegen) schon lange UMTS und das würde bei ihm gar nicht so viel kosten. Jedenfalls weniger als das, was ihr die Buchhaltung bislang vorgerechnet habe. “Hm, der hat wohl einen anderen Tarif”, mutmaßte man und beschloss, sich da einmal genauer zu erkundigen.
Ich weiß zwar nicht genau, um welchen Mobilfunkanbieter und um welche konkreten Tarife es ging – aber trotzdem halte ich das Gespräch für symptomatisch für die gegenwärtige Situation.
Wer hier und heute in Deutschland die Segnungen mobiler Technik nutzen möchte, der sieht sich nicht nur mit einer verwirrend großen Produktauswahl konfrontiert, sondern auch noch mit einem nicht minder verwirrenden Tarif-Dschungel. Nicht, dass ich etwas gegen Auswahl hätte – aber was zuviel ist, ist zuviel.
Und als sei das noch nicht undurchsichtig genug, werden diese beiden Bereiche auch noch kombiniert: Wer das Smartphone A haben möchte, bekommt das nur bei Provider B. Gefallen einem die Konditionen bei Anbieter C besser, muss man sich mit Handy D begnügen, das es aber nur gibt, wenn man gleichzeitig bei Anbieter E einen Vertrag fürs Festnetz abschließt.
Kein Wunder, dass das geübte Auge beim Studium der verschiedenen Werbeprospekte die groß gedruckten Versprechungen und Angebote kaum noch eines Blickes würdigt und sich sofort in den kleingedruckten Anmerkungsteil vertieft.
Schließlich weist heute jede Mobilfunkanzeige mindesten vier oder fünf Fußnoten auf, in denen das verlockende Angebot gleich wieder einschränken. Denn das Großgedruckte gilt normalerweise nur unter ganz bestimmten Konditionen – etwa nur in Kombination mit anderen Angeboten oder bei langfristiger Vertragsbindung.
Besonders beliebt ist auch die Umdefinierung eingeführter Begriffe wie etwa “Flatrate”. Das meint normalerweise ein Angebot, bei man eine bestimmte Leistung für einen Pauschalpreis unbegrenzt nutzen kann.
Doch wer nun glaubt, bei einer “Telefon-Flatrate” würden alle Telefonkosten durch eine monatliche Pauschale abgegolten, der sollte vor Vertragsabschluss noch einmal genauer hinsehen. Denn oft ist die scheinbare Flatrate nur von beschränkter Gültigkeit und umfasst etwa nur die Gespräche im Netz des Anbieters. Wer darüberhinaus noch mit dem Rest der Welt telefonieren möchte, muss dafür dann zusätzlich mehr oder weniger tief in die Tasche greifen.
Doch sehen wir’s positiv – solche Angebote gehen zumindest schon mal in die richtige Richtung. Denn über kurz oder lang führt wohl kein Weg an einer umfassenden, echten Kommunikations-Flatrate vorbei, bei der alle Daten- und Sprachdienste mit einer monatlichen Pauschale abgegolten werden. Dass wir dergleichen hierzulande (noch) nicht haben, dürfte wohl unter anderem an den immensen Anlaufkosten liegen, haben die UMTS-Anbieter doch jeweils über 8 Milliarden Euro für ihre Lizenz gezahlt.
Dabei muss es bei einer Kommunikations-Flatrate ja nicht hergehen wie beim billigen Jakob. Ich für meinen Teil wäre durchaus bereit, ein paar Euro im Monat mehr zu bezahlen, wenn ich mir dadurch die ständigen Vergleiche und Rechnereien erspare.
Schließlich möchte ich klar kalkulierbare Kommunikationskosten und nicht immer befürchten müssen, dass die nächste Abrechnung meinem Konto den Todesstoß versetzen könnte, nur weil ich nicht aufgepasst und in eine blöde Tariffalle gestolpert bin. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit diesem Wunsch allein stehe.
Also – E-Plus, O2, T-Com und Vodafone – wo bleibt die Kommunikationsflatrate?
