Wo bin ich?
Wer sich heute auf den Straßen einer unbekannten Stadt orientieren will, der benutzt dafür oft das satellitengestützte GPS, etwa mit dem Navigerät im Auto oder dem GPS-Modul im Smartphone. Bislang ist GPS in Sachen Positionsbestimmung unverzichtbar, aber das könnte sich in absehbarer Zeit ändern. Denn mit WPS gibt es nun eine interessante Alternative. WPS ist die Abkürzung für “WiFi / WLAN Positioning System” und basiert auf einer wirklich pfiffigen Idee. Und die geht so.
Jedes Netzwerkgerät und also auch jeder WLAN-Zugang besitzt zur eindeutigen Identifizierung im Netzwerk eine MAC-Adresse (MAC = Media Access Control), z.B. a3-b8-7c-4d-0f-ed. An dieser Adresse erkennt etwa ein Notebook einen WLAN-Zugang, für den es Zugangsdaten besitzt und bei dem es sich also automatisch einloggen kann.
Trägt man nun die MAC-Adressen erreichbarer WLANs in eine Straßenkarte ein, dann kann man, unter Berücksichtigung der Signalstärke, diese Daten zur Positionsbestimmung nutzen. Zum Beispiel so: “WLAN A und B sind sehr gut erreichbar, WLAN C und D schwach, WLAN E sehr entfernt – das kann nur bei der Litfaßsäule in der Fritz-Müller-Straße sein.”
Das System steht und fällt natürlich mit der WLAN-Dichte einer Gegend, aber die soll, da sind sich die Forscher wohl einig, zumindest in urbaner Umgebung längst ausreichend hoch sein, um WLAN-Knoten zur Ortsbestimmung nutzen zu können.
Während man hierzulande noch in der Erforschung der Grundlagen steckt und etwas die Fraunhofer Gesellschaft in Nürnberg erste Tests gestartet hat, ist aus dieser Idee in den USA bereits ein konkretes Angebot geworden. Dort hat das Unternehmen Skyhook Wireless bereits 18 Millionen WLANs in den USA, Kanada und Australien erfasst und verspricht eine zuverlässige Positionierung bis auf rund 20 Meter. Noch im ersten Quartal dieses Jahres will man in Großbritannien, Frankreich und Deutschland die städtischen Ballungsräume erfasst haben. Das System wird etwa seit kurzem von Apple in seinem iPhone bzw. iPod touch benutzt, um in Kombination mit Google Maps aus dem iPhone ein funktionsfähiges Navigerät zu machen.
Allerdings gilt: Wo es keine WLANs gibt, da gibt es auch kein WPS. Das betrifft vor allem dünn besiedelte, ländliche Gebiete, aber auch Randbezirke der Großstädte. Hier wird man so schnell wohl nicht auf GPS verzichten können.
Dafür kann WPS etwas, woran GPS scheitert, nämlich die Position innerhalb von Gebäuden bestimmen. Das klingt vielleicht etwas absurd, aber man denke nur an unübersichtlichen Firmenkomplexe, große Lagerhallen, Krankenhäuser oder Flughafen-Terminals, um sich unschwer Situationen ausmalen zu können, in denen WPS gute Dienste leisten kann.
