Wir warten auf Vista

Montag, 31. Juli 2006, 10.32 Uhr | Giesbert Damaschke

Chronik eines verzögerten Erscheinens:

September 2000
Noch ist der Nachfolger von Windows 9x / Windows 2000 (Codename: “Whistler”) nicht auf dem Markt, da kündigt Steve Ballmer in Monaco auf dem europäischen IT Forum 2000 bereits den Nachfolger an. “Blackcomb” soll vollständig .NET-basiert sein und 2002 / 2003 erscheinen.

Juli 2001
Es tauchen erste Presseberichte über einen Strategiewechsel bei Microsoft auf. Danach soll “Blackcomb” vorerst auf Eis gelegt sein und statt dessen unter dem Namen “Longhorn” am nächsten Windows gearbeitet werden. Als Erscheinungstermin wird weiterhin 2002 / 2003 genannt.

Oktober 2001
“Whistler” wird unter dem Namen “Windows XP” ausgeliefert. Microsoft feiert den Produktstart weltweit mit zahlreichen Launch-Parties und großen Anzeigenkampagnen.

April 2002
Auf der Windows-Entwickler-Konferenz Winhec gibt Microsoft-Vizepräsident Jim Allchin bekannt, dass sich Longhorn verzögern werde. Als Erscheinungstermin wird “nach 2003″ genannt, was einigen Spielraum für Spekulationen eröffnet.

Februar 2003
Blackcomb wird in einem Pressebericht als der Nachfolger von Longhorn genannt, mit dessen Erscheinen man allerdings nicht 2003 / 2004, sondern erst 2005 rechnen könne.

Oktober 2003
Will Poole, Senior Vice President von Microsoft, kündigt laut einem Pressebericht eine Verschiebung von Longhorn auf 2005 oder 2006 an.

Dezember 2003
Die Auguren des US-Marktforschungsunternehmens Gartner halten 2007 für ein plausibles Erscheinungsjahr von Longhorn, man schließt aber auch das Jahr 2008 nicht aus.

Mitte März 2004
Auf der Computer-Messe Cebit ist zu hören, dass in diesen Jahr die erste Beta-Version von Longhorn erscheinen soll.

Ende März 2004
Auf dem “Gartner Spring Symposium 2004″ widerspricht Bill Gates der Ankündigung einer Beta-Version von Longhorn, kündigt aber immerhin die erste Alpha-Version an.

April 2004
In der US-Presse kursieren Gerüchte, dass Longhorn in der ersten Jahreshälfte 2006 auf den Markt kommen soll. Allerdings seien eine Reihe der ursprünglich angekündigten Funktionen und Feature in dieser Version noch nicht enthalten.

Mai 2004
Bob Muglia, Senior Vice-President bei Microsoft, räumt in einem Interview große Probleme mit dem geplanten neuen Dateisystem WinFS ein, das ein Keyfeature von Longhorn sein soll. Eventuell werde man Longhorn nur mit einem rudimentären WinFS ausliefern, die endgültige Implementierung des neuen Dateisystems könne sich gar bis 2009 hinziehen.

August 2004
Microsoft kündigt Longhorn offiziell für 2006 an. Das Dateisystem WinFS (von Bill Gates ursprünglich einmal als “heiliger Gral” von Longhorn bezeichnet) soll nun offiziell erst nach Longhorn auf den Markt kommen.

Oktober 2004
Steve Ballmer unterstreicht auf der europäischen Technet/MSDN in Holland, dass Longhorn 2006 auf den Markt kommen soll, und wenn es der 31. Dezember sein sollte.

Windows-Insider Paul Thurrott verrät auf seiner Webseite, dass die erste Beta-Version von Longhorn am 16. Februar 2005 verfügbar sein soll. Als Liefertermin für die endgültige Version sei angeblich der 22. Mai 2006 geplant

November 2004
In einem Microsoft-Grundlagenartikel zu “Indigo” (einem Bestandteil von Longhorn) wird als Erscheinungstermin von Longhorn Ende 2005 / Anfang 2006 genannt. Der Artikel stammt vom 19. Februar und wurde am 15. November aktualisiert.

Ende November 2004
Gerüchten im Netz zufolge, soll Microsoft den “Milestone 8-2″ (M8-2) bei der Entwicklung von Longhorn erreicht haben. Der nächste Milestone M9 wird für Mitte März 2005 angepeilt. Dadurch verschiebt sich die Beta-Version vom ersten in das zweite Quartal 2005.

Februar 2005
In einem Interview gibt John Montgomery, der Leiter von Microsofts Entwicklungsabteilung, bekannt, dass die erste Beta-Version von Longhorn für die erste Jahreshälfte 2005 erwartet werde.

April 2005
In einer Pressemitteilung wird für die anstehende Entwicklerkonferenz Winhec eine weitere Longhorn-Pre-Beta-Version und die erste echte Beta-Version für Sommer 2005 angekündigt.

Juli 2005
Microsoft gibt den Namen des neuen Windows bekannt. Was bislang unter dem Codenamen “Loghorn” entwickelt wurde, soll als “Windows Vista” auf den Markt kommen. Als Erscheinungstermin wird “Ende 2006″ genannt.

Ende Juli 2005
Die lang erwartete erste Beta von Windows Vista erscheint.

November 2005
In der Presse finden sich vielfach Spekulationen über den Erscheinungstermin von Vista. Die Branche ist zuversichtlich, Vista rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2006 an die PC-Hersteller ausgeliefert werden wird.

Januar 2006
Microsoft nennt spezifiziert die Hardware-Anforderungen von Vista.

Februar 2006
Microsoft gibt die verschiedenen Versionen von Windows Vista bekannt. Es soll acht verschiedene Varianten des Betriebssystems geben, die für jeden Einsatzzweck geeignet sein sollen.

März 2006
Microsoft gibt eine weitere Verschiebung von Vista bekannt. Zwar soll Ende des Jahre – genauer: Im November – Vista für Geschäftskunden verfügbar sein, doch der eigentliche Verkaufsstart werde auf Januar 2007 verschoben. Als Begründung nennt man die notwendige Überarbeitung sicherheitsrelevanter Funktionen.

Mai 2006
Die Marktforscher bei Gartner, die bereits im Dezember 2003 prognostizierten, dass mit Vista erst für 2007 zu rechnen sei, bezweifeln den offiziellen Januar-Termin. “Nicht vor dem zweiten Quartal 2007″ ist ihre Prognose.

Ende Mai 2006 / Anfang Juni
Windows Vista Beta 2 erscheint. Kurz nach der Auslieferung an Beta-Tester und Entwickler steht Vista Beta 2 eine Zeitlang als öffentliche Beta zum freien Download bereit. Die Aktion dauert bis Anfang Juli. In dem Zeitraum wird Vista rund zwei Millionen mal heruntergeladen.

Juni 2006
Bill Gates geht laut verschiedener Medienberichte von einer 80prozentigen Wahrscheinlichkeit aus, dass die angekündigten Erscheinungstermine von Vista eingehalten werden.

Juli 2006
Als Erscheinungstermin für den Release Candidate 1 (RC1) von Vista wird Ende August genannt. Allerdings wird die offizielle Sprachregelung betont: Vista wird veröffentlicht, wenn es fertig ist.

Symantec und andere Sicherheitsfirmen kritisieren Vista und bezeichnen das System als unsicherer als Windows XP. Inwieweit es sich bei dieser Kritik allerdings eher um Werbung für die eigenen Sicherheitsdienste handelt, sei dahingestellt.

Ende Juli 2006
Microsofts Co-Präsident Kevin Johnson sorgt für Unruhe. Zwar wurde der gesplittete Zeitplan (Vista erscheint im November für Geschäfts-, im Januar 2007 für Privatkunden) nicht dementiert, aber Johnson fügte ausdrücklich hinzu, dass die Produktqualität an oberster Stelle stehe. Hellhörige Beobachter sehen darin die Vorbereitung einer weiteren Verspätungsmeldung.

Die Unsicherheit der Branche spiegelt sich im Kurseinbruch an der Börse wieder, wo die Microsoft-Aktie um zwei Prozent nachgibt.

Aktueller Stand
Soweit der aktuelle Stand dieser kleinen Vista-Chronik.

Ich gehe übrigens davon aus, dass wir erst auf der Cebit 2007 Vista-Rechner in großer Stückzahl zu sehen bekommen.