Wie viel Platz bieten 500 GB?

Freitag, 28. September 2007, 15.07 Uhr | Giesbert Damaschke

Während ich dieses Editorial schreibe, kopiert mein Mac brav große Datenmengen von der einen auf die andere externe Festplatte. Denn heute war es endlich soweit, heute habe ich meine bewährte, aber schon etwas ältere Backup-Festplatte durch eine neue ersetzt.

Die alte Platte habe ich im Juli 2004 gekauft. Damals schienen 180 GB Kapazität mehr als ausreichend. Inzwischen ist der freie Platz auf unter 10 GB zusammen geschmolzen, es wurde also höchste Zeit für eine Wachablösung. Und die traf heute in Form einer 500-GB-Platte ein, weshalb jetzt die rund 145 GB Backup-Daten von der einen auf die andere Platte kopiert werden.

Wer jetzt nachrechnet, der wird sich vielleicht wundern. Wenn die alte Platte eine Kapazität von 180 GB bietet und das Backup gut 145 GB umfasst – dann kann meine Behauptung, es seien weniger als 10 GB auf der alten Platte frei, ja nicht stimmen. Schließlich macht 180 minus 145 nach Adam Riese immer noch 35 und nicht zehn. Das stimmt. Aber um Adam Riese kümmern sich Festplattenhersteller und Computer leider nicht.

Zwei Faktoren sind es, die dafür sorgen, dass der tatsächlich verfügbare Platz auf einer Festplatte zum Teil drastisch von dem Wert abweichen, mit dem die Hersteller werben:

  • Die Unterschiede zwischen Dezimal- und Binärsystem
  • und der Platz, den das Betriebsystem zur Verwaltung einer Festplatte für sich beansprucht.

Giga ist nicht gleich Giga

Bei der Größenangabe machen es sich die Hersteller zu Nutze, dass wir im Alltag üblicherweise mit dem Zehnersystem rechnen, Computer aber mit dem Binärsystem arbeiten. Das führt dazu, das Einheiten wie “Kilo”, “Mega” oder “Giga” unterschiedliche Mengen meinen können.

Im uns vertrauten Zehnersystem steht “Kilo” für Tausend, “Mega” für Tausend mal Tausend (also eine Million) und “Giga” für Tausend mal eine Million, also eine Milliarde. Im Binärsystem ist das allerdings anders, da steht “Kilo” für 1.024, “Mega” für 1.024*1.024 (das ergibt 1.048.576) und “Giga” für 1024*1024*1024 bzw. 1.073.741.824.

Die Festplattenhersteller legen bei ihren Angaben das Dezimalsystem zugrunde (auch wenn das eigentlich unsinnig ist). Eine Platte mit 180 GB hat also 180.000.000.000 Byte Kapazität. Das kümmert aber einen Computer nicht, für den sind das nicht 180 GB, sondern 180.000.000.000 / (1024*1024), also rund 172 GB. Bei meiner neuen 500-GB-Platte sorgen diese Zahlenspielchen übrigens dafür, dass die Platte für den Computer nicht, wie vom Hersteller beworben, 500, sondern lediglich rund 477 GB bietet.

Verwaltungsausgaben

Diese Diskrepanz zwischen Herstellerangaben und tatsächlicher Kapazität gilt unabhängig von dem Computer, an dem die Platte angeschlossen wird. Wie sehr nun allerdings die Verwaltungsausgaben durchschlagen, also wieviel Platz das Betriebssystem für sich beansprucht, hängt jedoch vom jeweiligen System ab.

Bei Mac OS X ist es zum Beispiel so, dass von den 172 GB rund 20 GB mit Beschlag belegt werden. Das führt unterm Strich dazu, dass meine 180-GB-Platte in der Praxis lediglich 152,54 GB Platz bietet. Bei der neuen 500er schlägt das noch deutlich durch. Hier bleiben von den angeblich 500 GB nur noch 464,64 GB übrig.

Aber jetzt sehe ich gerade, dass der Kopiervorgang fast beendet ist – mein Backup braucht mich. Bis Montag!