Wie NBC die Schlacht um digitale Medien verlor
Der 31. August hätte ein schwarzer Tag in Cupertino sein können. Denn an diesem Tag verlor Apples iTunes Store einen seiner wichtigsten Umsatzbringer. Der Fernsehsender NBC, so berichtete die New York Times, werde seinen Vertrag mit dem iTunes Store nicht verlängern. Da NBCs Serien rund 40 Prozent des Video-Umsatzes im Store ausmachen, ist dieser Rückzug ein herber finanzieller Verlust für Apple. Man könnte also davon ausgehen, dass Apple alles daran setzen würde, sich bis zum Auslaufen des Vertrags Ende 2007 mit NBC zu einigen. Doch das glatte Gegenteil ist der Fall – und hier fängt es an, interessant zu werden.
Als Grund für das Scheitern der Vertragsverhandlungen nennt die NYT Meinungsverschiedenheiten bei der Preisgestaltung. Kurz darauf hat Apple diesen Punkt in einer Pressemitteilung konkretisiert: NBC wollte mehr Geld von den Kunden. Sehr viel mehr.
Derzeit kostet eine Folge einer beliebigen TV-Serie – ganz gleich, von welchem Sender – im Apple-Store 1,99 US-Dollar. Für NBC war das zu wenig, man wollte einen Preis von 4,99 US-Dollar durchsetzen, also den Preis von heute auf morgen mehr als verdoppeln.
Falls NBC versucht haben sollte, Apple mit der Nichtverlängerung des Vertrages unter Druck zu setzen, ging dieser Versuch kräftig nach hinten los. Denn Apple wartete nicht ab, sondern machte kurzen Prozess. Im September beginnen die neuen Staffeln der verschiedenen Serien, deren Verkauf man im Dezember einstellen müsste. Da man die Kunden nicht mit halben Staffeln sitzen lassen wollte, hat man die neuen Staffeln erst gar nicht ins Programm genommen und also den Verkauf von NBC-Material im iTunes Store nicht erst im Dezember, sondern sofort gestoppt.
NBC wird seine TV-Serien in Zukunft, so steht zu vermuten, auf seiner eigenen Plattform Hulu anbieten. Ob sie damit allerdings erfolgreich sein werden, ist mehr als zweifelhaft. Zum einen sind die Preisvorstellung der NBC-Manager eher ein Produkt der Gier als der nüchternen Analyse, zum anderen beschimpft man derzeit schon mal vorsorglich seine potentielle Kundschaft als Diebe. Schließlich, so hört man von NBC-Managern, sei es doch bekannt, dass auf den MP3- und Video-Playern überwiegend geklautes Material gespeichert sei, weshalb man einen knallharten Kopierschutz für zwingend notwendig hält. (Es scheint sich noch nicht bis NBC herumgsprochen zu haben, dass ein Kopierschutz nicht vor dem Kopieren schützt, sondern nur die ehrlichen Kunden behindert.)
Die Prognose, dass NBC mit seinem aggressiven und beleidigenden Verhalten im Internet nicht reüssieren wird, erscheint mir nicht allzu gewagt. Wer seine Kunden nur als Diebesbande betrachtet, der man mit absurden Preisen das Fell über die Ohren ziehen will, der wird keinen Erfolg haben.
Schon gar nicht, wenn man an seine Produkte auch umsonst und völlig legal gelangen kann. Um eine beliebige TV-Serie als Datei auf der Festplatte zu haben, genügt ein TV-Anschluss und ein digitaler Videorekorder.
Vielleicht dämmert es den NBC-Managern ja irgendwann, dass man im iTunes Store nicht so sehr für den Inhalt, sondern für die Bequemlichkeit bezahlt. Aber bis dahin wird NBC wohl schon längst zu den Verlierern der digitalen Schlachten gehören.
