Wie ich einmal fast auf eine Betrugsmail hereingefallen wäre
Spam, Spam, Spam – täglich treffen Dutzende unerwünschter Mails bei mir ein. Den größten Teil filtert der Mailserver zwar bereits im Vorfeld aus, aber eine Handvoll schafft es halt doch immer wieder, bis zu meinem Posteingang durchzukommen.
Das ist zwar lästig, dank leistungsfähiger Spamfilter aber auch nicht mehr als das. Damit mir möglichst keine legitime Mail entgeht, die vom Programm fälschlich als Spam markiert wurde, überfliege ich ab und an den Spam-Ordner.
Normalerweise handelt es sich dort tatsächlich nur um Müll, den ich dann endgültig entsorge. Gelegentlich findet sich dort allerdings auch eine legitime Mail. Heute war es zum Beispiel wieder so weit. Eine Benachrichtigung über ein Gewinnspiel landete im Müll. Nun interessiere ich mich zwar nicht für Gewinnspiele, aber eine vom Filter falsch einsortierte Mail sollte man auch bei Nicht-Interesse explizit als legitim markieren, damit der Filter feiner angepasst wird und der Fehler nicht noch einmal passiert.
Also verschob ich die Mail in den Posteingang. Dort sah ich sie mir etwas genauer an und kam ins Grübeln. Schließlich musste ich feststellen, dass mein Spamfilter dieses Mal schlauer war als ich, es handelte sich bei der Mail eindeutig um Spam.
Ganz offensichtlich bin ich auf ein paar Reizwörter in diese Mail wie “Web.de”, “Gewinne”, “Smartsurfer” und ähnliches hereingefallen. Da ich Web.de-Kunde bin, ich mich vor langer Zeit einmal für den Smartsurfer registriert habe und überdies regelmäßig Einladungen zu Gewinnspielen von Web.de bekomme, kam mir die Mail beim flüchtigen Überfliegen fälschlicherweise als legitim vor.
Dabei sind die Hinweise auf eine Spam- oder gar Betrugsmail kaum zu übersehen. Hier die wichtigsten Merkmale:
- Die Betreffzeile: “Riesige Preisverlosung von web.de, finde deinen Preis!” Das ist nicht direkt falsch, klingt aber doch ein wenig unbeholfen. Zumal ich mich nicht erinnern kann, von Web.de zu ähnlichen Anlässen geduzt worden zu sein.
- Der Absender: Die Mail soll angeblich von Web.de kommen, als Absender wird aber eine “Helga Reagan” mit der Mailadresse “efb@bofuman.com.cn” genannt. Das passt nicht zusammen.
- Der Link in der Mail zeigt nur scheinbar auf den Smartsurfer, sondern auf “smartsurferweb.net”.
Diese drei Merkmale reichten bereits aus, um die Mail als Spam oder, schlimmer noch, Betrugsversuch einzustufen. Und als ich mir die Mühe machte, die Nachricht auch zu lesen, fiel es mir bei diesem Absatz wie Schuppen von den Augen:
Für die Teilnahme an der Verlosung schlägt Web.de Ihnen vor, SmartSurfer zu installieren, Ihre Ausgaben zum Internet zu verringern und Verbindungsgeschwindigkeit zu vergrössern.
Das ist nicht nur der typische Satzbau eines Übersetzungsprogramms bzw. von jemanden, der Deutsch als Fremdsprache gelernt hat, sondern auch offensichtlich der Versuch, den Empfänger zur Installation eines Schadprogramms zu verleiten. (Der Rechtschreibfehler “vergrössern” könnte auch noch als Indiz für eine Fälschung dienen, hätte die Rechtschreibreform hier nicht derart großflächig für Verwirrung gesorgt, dass auch Muttersprachler oft ins Schleudern geraten.)
Auch der Rest der Mail wimmelte nur so von Hinweisen auf eine Fälschung, da fanden sich derart viele unübersetzte englische Brocken, kaputte Umlaute und falsche Formulierungen, dass ich mich schon ein wenig über mich selbst wunderte. Wie konnte ich nur je auf den Gedanken kommen, diese Mail sei echt?
“Nur gut, dass mein Spamfilter unbestechlicher ist als ich”, dachte ich, schickte eine kurze Information an Web.de und löschte den Mailmüll.
P. S. Die Webseite, auf die einen die Betrüger locken, sieht übrigens täuschend echt aus. Und das Programm, das man herunterladen soll, ist nur unwesentlich größer als das Original von Web.de. Aber dass sämtliche Links auf der Seite ins Leere weisen, sollte einem seltsam vorkommen.
