Wer braucht schon UMTS?
Seit über fünf Jahren warten wir nun schon darauf, dass die Versprechungen der wieselflinken Datendienste via UMTS eingelöst werden.
Am 17. August 2000 ging nach 173 Runden die Versteigerung der UMTS-Lizenzen zu Ende und sechs Telekommunikations-Unternehmen verpflichteten sich zur Zahlung von jeweils rund 8,4 Milliarden Euro. Insgesamt spülte die Versteigerung fast 50 Milliarden Euro in die Staatskassen. Doch “außer Spesen nichts gewesen”: Bis heute gibt es keine oder kaum nennenswerte UMTS-Anwendungen.
Eine kleine UMTS-Chronologie
Die kleine UMTS-Chronologie, die sich in der Wikipedia findet, nimmt sich – gemessen an den vollmundigen Versprechungen – doch eher bescheiden aus:
- 2001 wurde auf der auf der Isle of Man das weltweit erste UMTS-Netz in Betrieb genommen.
- Am 25. September 2002 startete in Österreich das erste nationale UMTS-Netz Europas – allerdings ohne dass passende UMTS-Telefone in größeren Stückzahlen verfügbar gewesen wären.
- Hierzulande gab es 2003 die ersten Probeläufe, beschränkt auf einen kleinen exklusiven Kundenkreis.
- Seit 2004 ist UMTS in Deutschland verfügbar, UMTS-fähige Mobiltelefone und UMTS-Steckkarten gibt es nun auch in ausreichender Stückzahl.
Seit rund einem Jahr könnte der UMTS-Markt in Deutschland also endlich so boomen, wie es uns von den Visionären vor über fünf Jahren versprochen wurde. Doch die Realität sieht anders aus.
So nutzen die Anwender ihr Mobiltelefon
So ergab eine Umfrage der Meinungsforscher von TNS Infratest im Auftrag von E-Plus, dass die Menschen ihre mobilen Telefone vor allem für zwei Dinge benutzen: Zum Telefonieren und zum “simsen”. Alle anderen Einsatzmöglichkeiten eines Mobiltelefons fallen dagegen so stark ab, dass man sie fast vernachlässigen kann.
So nutzen die Anwender ihr Mobiltelefon:
- 79 % SMS
- 75,4 % Gespräche
- 24,6 % Fotos und MMS
- 8 % E-Mail
- 6,1 % Musik-Download
- 4,7 % Internet
- 0,6 % Video-Telefonie
- 0,4 % Handy-TV
UMTS? Was ist das?
Und die Zukunft sieht kaum anders aus. Nur rund ein Drittel aller Befragten konnte mit dem Kürzel “UMTS” überhaupt etwas anfangen. Kein Wunder, dass derzeit nur rund zwei Prozent aller Anwender ein UMTS-Handy bzw. eine UTMS-Steckkarte für das Notebook im Einsatz haben. Und diejenigen, die bislang ohne UMTS zurecht kommen, haben nicht vor, das in naher Zukunft zu ändern. Gerade mal 5,4 Prozent gaben an, Interesse an UMTS zu haben und sich die Nutzung von UMTS vorstellen zu können.
Gründe für das anhaltende Desinteresse an UMTS gibt es viele – die Kosten, zum Beispiel, oder die komplizierten Tarifstrukturen (für rund 50 Prozent aller Befragten sind einfache und verständliche Tarifstrukturen einer der wichtigsten Aspekte der Handynutzung).
Auf der Suche nach der Killer-Applikation
Doch das Hauptproblem von UMTS ist derzeit wohl, dass es sich hierbei um eine Nischenlösung für die Probleme einer kleinen Zielgruppe handelt. Im Branchendeutsch heißt das: Es fehlt die “Killer-Applikation”.
Das soll sich in Zukunft ändern. Das Zauberwort, mit dem UMTS aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden soll, nennt sich HSDPA und steht für “High Speed Downlink Packet Access”. Damit sollen via UMTS Downloadraten von bis zu 14,4 MBit/s möglich sein. Dieser Wert wird allerdings nur unter Laborbedingungen erreicht, in der Praxis muss man sich mit maximal 5 MBit/s begnügen – was allerdings immer noch ganz schön flott ist und auch nicht zuverlässig erreicht wird.
Und es gibt noch einen weiteren kleinen Schönheitsfehler: Mit dem Datenupload hapert es noch, der hier zuständige HSUPA (High Speed Uplink Packet Access)-Standard wird noch entwickelt und wohl noch mindestens ein Jahr auf sich warten lassen. Immerhin kündigen die wichtigsten Notebookhersteller inzwischen UMTS-fähige Notebooks an, die natürlich auch HSDPA unterstützen.
Jetzt muss man nur noch die Frage beantworten, warum jemand mit seinem Mobiltelefon eine teure Breitbandverbindung nutzen können wollte – schneller simsen oder telefonieren kann er damit ja nicht, Video-Telefonie interessiert kaum jemanden und Handy-TV scheint zumindest in der nächsten Zeit auch nicht der große Renner zu werden.
Bleibt die Kombination UMTS & Notebook. Doch die typischen Anwender, die unterwegs auf eine Internet-Anbindung angewiesen sind, dürften in der Mehrzahl mit WLAN zufrieden sein.
Wer braucht schon UMTS?
