Wenn das Vergnügen zur Arbeit wird

Donnerstag, 28. Februar 2008, 6.04 Uhr | Giesbert Damaschke

Seit ein paar Tagen verbringe ich viel zu viel Zeit am Computer. Der Grund ist dieses Mal nicht die Arbeit, sondern das Vergnügen: Ich hab das Webbrowserspiel Die Stämme entdeckt. Damit komme ich zwar gut vier Jahre zu spät (das Spiel wurde 2003 von Innogames gestartet), aber Spaß macht es trotzdem. Zwar ist absehbar, dass ich eher früher als später die Lust verlieren werde, aber derzeit ist das Spiel eine ziemlich hartnäckige Ablenkung, die mich von meinen täglichen Aufgaben abhält.

Bei Die Stämme handelt es sich um eine Variante der klassischen Aufbau- und Strategiespiele, die man früher allein am PC oder mit anderen Spielern im Netzwerk spielte und die heute auf Webservern laufen und via Internet gespielt werden können. Anders als bei den großen Vertretern diese Gattung wie etwa World of Warcraft muss man für Die Stämme kein Programm kaufen, sondern braucht, wie der Name schon sagt, nicht mehr als eine Internetverbindung und einen Browser. Weitere Kosten entstehen nicht. Ein Premium-Account bietet zwar mehr Komfort, ist aber nicht notwendig.

Der Spieler beginnt als Bürgermeister eines kleinen Dorfes irgendwo auf einem Fantasy-Kontinent, umgeben von anderen Dörfern, Wäldern und Seen. Aufgabe ist es nun, das Dorf zu Ruhm und Reichtum zu bringen. Dabei werden Werkstätten und Minen gebaut und verschiedene Techniken entwickelt, aber auch Handel mit anderen Dörfern getrieben – wenn man die umliegenden Dörfer nicht kurzerhand überfällt und plündert

Jeder Spielzug dauert eine gewisse Zeit, ein kontinuierlich tickender Zähler zeigt an, wie lange die Fertigstellung eines Gebäudes, die Entwicklung einer Technik oder der Überfall auf ein benachbartes Dorf noch dauert.

Ein Spielzug besteht also in ein paar Mausklicks zur Umsetzung der Entscheidung – und Warten. In diesen Wartepausen könnte man sich natürlich in aller Ruhe anderen Dingen widmen, aber dafür muss man wohl geduldiger sein, als ich es bin. Ich ertappe mich dabei, wie ich alle zehn, zwanzig Minuten die Webseite des Spiels aufrufe, um nach dem Rechten zu sehen oder neue Entscheidungen zu treffen.

Wie gesagt, noch macht das alles Spaß, aber die problematischen Aspekte dieser Art Spiel sind bereits zu bemerken.

Da das Spiel rund um die Uhr auf einem Webserver abläuft, gibt es keine festen Spielzeiten. Es ist nicht möglich, den Spielstand zu speichern, das Spiel zu unterbrechen und später an der Stelle weiterzuspielen, an der man aufgehört hat. Man kann auch nicht nach der Arbeit zur Entspannung ein oder vielleicht auch zwei Stündchen zu spielen, sondern muss, wenn man in dieser Welt Erfolg haben will, ständig aktiv sein, möglichst rund um die Uhr. Nur so nutzt man die Zeit optimal zum Ausbau des Dorf, kann nichtsahnende Nachbarn überfallen oder Angriffe abwehren.

Doch das ist nicht der einzige Pferdefuß bei Die Stämme (und allen anderen Strategiespielen im Netz). Wie alle Aufbauspiele dieser Art kippt das Vergnügen ab einer gewissen Spielstufe in Arbeit um. Dann nämlich, wenn aus den spielerischen Entscheidungen komplizierte, strategische Planungen werden.

Nur gut, dass man das Spiel auch einfach beenden, seinen Account löschen und sich aus dieser virtuellen Welt wieder zurückziehen kann. Das werde ich sicherlich demnächst tun, nur jetzt noch nicht. Denn vorhin habe ich eine Schmiede bauen lassen, die ungefähr jetzt fertig sein soll. Da muss ich doch gleich mal sehen, wie es meinen Dörflern so geht. Bis morgen!