Weihnachen der Spielekonsolen

Mittwoch, 27. Dezember 2006, 22.31 Uhr | Giesbert Damaschke

Gut drei Millionen Spielekonsolen, so prognostizierte man noch im August, würden im Jahr 2006 verkauft und größtenteils an Weihnachten 2006 verschenkt werden. Nach ersten Schätzungen hat man diese Zahl wohl nicht ganz erreicht, am Ende werden es immerhin 2,5 Millionen sein. Weniger als erwartet, aber 36 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Spielekonsolen waren dieses Jahr eines der beliebtesten Weihnachtsgeschenke  und lagen hinter Digitalkameras und MP3-Playern auf Platz drei der Geschenkeskala. Wie es bei etwas anspruchsvolleren Spielzeugen wie etwa Eisenbahnen oder Dampfmaschinen üblich ist, werden auch Spielekonsolen nicht ohne Hintergedanken verschenkt. Dem nämlich, dass der Schenker selbst ganz gern mit seinem Geschenk spielen möchte. Ein Viertel aller befragten Konsolen-Käufer gab das unumwunden zu – und dem Rest kann man es wohl zu größten Teilen getrost unterstellen.

Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) sieht Spielekonsolen denn auch schon als zeitgemäße Variante der klassischen Familienspiele und attestiert der Spieleindustrie kurzerhand, sie würde “einen wertvollen Beitrag zur generationsübergreifenden Freizeitgestaltung und zur Vermittlung von Medienkompetenz in den Familien” leisten. Bei dieser schwülstigen Lobesprosa handelt es sich allerdings so offensichtlich um die Vorwärtsverteidigung einer Industrie, die in letzter Zeit ziemlich unter Druck geraten ist, dass man mit der Vermutung, allzu ernst meine der BIU das wohl nicht, kaum daneben liegen wird.

Ernster ist es dem BIU dann schon mit dem Umsatz. Der nämlich hat ordentlich angezogen und lässt die Spieleindustrie einigermaßen optimistisch in die Zukunft schauen. Rund 470 Millionen Euro setzte man mit PC- und Konsolenspielen bereits im ersten Halbjahr 2006 um, was einer Steigerung von knapp drei Prozent entspricht. Für das zweite Halbjahr 2006 liegen noch keine Zahlen vor, aber der Aufwärtstrend scheint anzuhalten. Die guten Verkaufszahlen werden auch für einen Anstieg im ersten Quartal 2007 sorgen, schließlich müssen die vielen verschenkten Konsolen mit neuen Spielen gefüttert werden.

Der Verlierer des Jahres 2006 ist fraglos Sony, die es nicht geschafft haben, ihre seit längerer Zeit angekündigte Spielekonsole Playstation 3 rechtzeitig auf den Markt zu bringen. Zuletzt sollte sie noch gerade rechtzeitig am 17. November ausgeliefert werden, doch dieser Termin wurde dann auf März 2007 geschoben und Weihnachten fiel aus. (Ob und in welchem Umfang die Konkurrenz von Nintendo und Microsoft von diesem Patzer profitieren konnten, ist noch nicht bekannt.)

So blieb den Anbietern nur, die Playstation 3 als Vorbestellung und gegen Anzahlung anzupreisen – aber dass man damit keinen Blumentopf gewinnen würde, war wohl allen Beteiligten klar.  Wer will seinem Kind unterm Christbaum schon einen Gutschein in die Hand drücken und es mit Weihnachtswünschen noch um weitere drei Monate vertrösten?