Webmail als Notizzettel im Internet
Manchmal muss man ja mit der Nase auf etwas gestoßen werden, um es zu sehen. Also ich jedenfalls. Denn ganz egal, wie aufgeschlossen für neue Dinge ich zu sein glaube, tief drinnen bin ich wohl doch ein eher konservativ-vorsichtiger Mensch, der an einmal erlernten und erprobten Verfahren auch dann festhält, wenn es längst bessere Lösungen gibt.
Ein Beispiel: Wenn ich daheim an meinem Notebook arbeite und mir etwas einfällt, was ich am nächsten Tag im Büro nicht vergessen darf – vom Einkaufszettel über den Arzttermin bis zum Einfall für den nächsten Artikel – dann schicke ich mir einfach eine E-Mail. Die Mail wird am nächsten Morgen im Büro abgerufen und erinnert mich wieder an das, was ich tun wollte.
Dieses Verfahren setze ich seit rund 15 Jahren ein und habe es auch heute wieder benutzen wollen. Nun hatte ich allerdings nicht mein übliches Mailprogramm geöffnet, sondern den Webbrowser und stöberte gerade in meinem Google-Mail-Postfach, das ich für Newsletter, Info-Mails und verschiedene Mailinglisten benutze.
Statt mein Mailprogramm zu starten (mit dem ich normalerweise alle Mails schreibe), schrieb ich die kurze Notiz an mich selbst mit Google Mail. Noch bevor ich die Adresse eintippen konnte, wurde die Notiz als noch nicht versandter “Entwurf” gespeichert. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Statt mir selbst Mails zu schicken, kann ich die Notizen auch einfach als Mail-Entwurf im Webmailer speichern, ohne die Mail tatsächlich zu verschicken.
Das hat jede Menge Vorteile. Die Notiz ist von jedem Computer aus einsehbar, der aufs Internet zugreifen kann und kann auch von jedem Computer aus bearbeitet, ergänzt oder korrigert werden. Das Mailprogramm auf dem heimischen Rechner wird nicht mehr mit zahllosen Notizen-Mails im “Gesendet”-Ordner belastet, das Mailprogramm im Büro nicht mit den gleichen Mails im Posteingangs-Ordner. Es werden Bandbreiten geschont und es ist auch nicht nötig, dass relativ aufwändige Mail-Protokolle abgearbeitet werden müssen, nur um eine Mini-Memo von A nach B zu schicken. Und schließlich kann der Notizzettel im “Entwürfe”-Ordner des Webmailers beliebig oft für beliebige Notizen benutzt werden.
Es gibt allerdings auch einen Nachteil: es handelt sich dabei auch um eine unsichere Lösung. Sensible Informationen und Daten sollte man mit dieser Methode vielleicht nicht unbedingt speichern.
Doch für die meisten meiner Notizen (“Brot kaufen!”) ist der Webmailer als Notizblock die entschieden sparsamere, schlankere, elegantere kurz: bessere Lösung.
