Vistas Hardwarehunger und die PC-Preise
Seit längerer Zeit kennt die Entwicklung der Hardwarepreise nur einen Weg: nach unten. Fast monatlich fallen die Preise. Eine kleine Stichprobe in den Anzeigenteilen von PC-Zeitschriften 2006 zeigt zum Beispiel, dass der Preis für einen 17“-TFT-Monitor im Laufe des Jahres von 214 auf 179 Euro gefallen ist. Eine 80-GB-Festplatte kostete Anfang 2006 noch 52 Euro, nun ist die gleiche Platte beim gleichen Händler für 44 Euro zu haben. Bei einer 500-GB-Platte ist der Preisverfall noch deutlicher, hier fiel der Preis von anfangs 279 auf 189 Euro. Ein weiteres Beispiel: Anfang 2006 kostete ein Standard-Notebook (15 Zoll, Pentium M, 512 MB RAM, 80 GB HD, DVD-Brenner, XP-Home) gut 1000 Euro, heute bekommt man dafür ein Notebook mit CoreDuo-Prozessor, 1 GB RAM und XP Pro.
Und so weiter und so fort – aber ich will Sie hier nicht mit Preislisten langweilen. Mit dem Preisrutsch ist ohnehin bald Schluss: Die Hardwarepreise werden sich stabilisieren, oder sogar leicht anziehen. Und schuld ist Windows Vista.
Das zumindest glauben die Marktforscher von Isuppli herausgefunden zu haben. Der Grund für die Trendumkehr ist relativ einfach.
Windows Vista ist ein sehr leistungsfähiges, modernes Betriebssystem und wohl das beste, was Microsoft seit langem auf den Markt gebracht hat. Allerdings hat diese Höchstleistung ihren Preis – und der schlägt sich nicht nur in den reinen Anschaffungskosten von Vista nieder, sondern auch in den Hardwareanforderungen. Für die gilt bei Vista nämlich die Faustregel, dass das Beste gerade gut genug ist.
Nun gibt sich Microsoft in den Mindestanforderungen für Vista sehr bescheiden und nennt so niedrige Werte, dass selbst ein zwei, drei Jahre alter PC noch mithalten könnte – eine CPU mit 800 MHz, 512 MB Speicher, 35 GB Festplatte.
Natürlich können Sie versuchen, Vista auch auf Ihrem alten PC zu installieren und es wird (vermutlich) sogar laufen. Doch wer das System wirklich ausreizen und nicht schon in kürzester Zeit an die Grenzen der Leistungsfähigkeit zu stoßen will, der tut gut daran, seinen Rechner kräftig aufzurüsten – wenn er sich nicht gleich ein komplett neues System der gehobenen Preisklasse mit vorinstalliertem Windows Vista zulegt.
Weshalb Isuppli wohl nicht ganz zu Unrecht einen DualCore mit 2 GHz und einen Arbeitsspeicher von mindestens einem, besser zwei Gigabyte empfiehlt. Wer die neue Vista-Oberfläche Aero nutzen möchte, der sollte zudem in eine anständige 3D-Grafikkarte investieren.
Um rund 20 Prozent werde sich wegen des Hardwarehungers von Vista die PC-Fertigung verteuern, prophezeit man bei Isuppli. Kostet ein Standard-XP-PC in der Herstellung rund 500 US-Dollar, müsse man für einen durchschnittlichen Vista-PC mehr als 600 US-Dollar einkalkulieren.
Das klingt recht dramatisch, ist aber wohl alles in allem halb so wild. Setzt man voraus, dass Isupplis Berechnungen überhaupt stimmen, bleibt immer noch fraglich, in welchem Umfang die Hersteller die gestiegenen Fertigungskosten an die Endkunden weitergeben. Schließlich gibt es weder ein Stillhalteabkommen der Anbieter, noch einen Preis- oder Konkurrenzstopp.
Obendrein galt das, was Isuppli für den Vista-Start prognostiziert, schon bei der Markteinführung von jedem neuen Windows. Immer ist das neue System leistungsfähiger, aber auch anspruchsvoller als sein Vorgänger und immer scheinen seinen Hardwareanforderungen auf den ersten Blick enorm. Das mag sich anfangs kurzfristig auf die PC-Preise auswirken – aber auf lange Sicht bleibt es dabei: Man bekommt Monat für Monat immer mehr Hardware für sein Geld. Daran wird auch
Vista nichts ändern.
