Vista ist da! Na und?
So, jetzt ist es also soweit. Nach gut fünf Jahren voller Ankündigungen und Versprechungen hat Microsoft es jetzt endlich geschafft und eine neue Windows-Version auf den Markt gebracht. Vorerst nur für Firmenkunden, aber schon bald auch für unsereins.
Heißa, ein neues Windows! Aber mal so unter uns – wen interessiert das eigentlich? Eine gewisse Neugier mag sicherlich vorhanden sein, ein wenig herumspielen möchte man damit vielleicht auch mal. Aber Hand aufs Herz – haben Sie wirklich das Gefühl, dass Ihr Computer unbedingt ein neues Betriebssystem braucht, damit Sie damit endlich Ihre Arbeit erledigen können? Wären Sie wirklich bereit, mehrere hundert Euro für Windows Vista zu bezahlen, um anschließend ein etwas älteres, aber funktionierendes System mit einem neuen und noch völlig unerprobtem zu überschreiben? (Vorausgesetzt, Ihre alte Hardware spielt dabei überhaupt mit.)
Eigentlich bietet Windows XP doch alles, was man im computerisierten Alltag so braucht. Und es hat den großen Vorteil, dass es durch die lange Entwicklungszeit von Windows Vista von Microsoft nolens volens immer weiter geflickt und verbessert worden ist, so dass XP mit allen installierten Patches und Updates heute eigentlich ein erprobtes, ausgereiftes und leistungsfähiges Betriebssystem ist. Gut, es hat hier und da seine Macken, ein paar Dinge funktionieren vielleicht nicht immer so, wie man sich das denkt – aber im großen und ganzen hat man doch gelernt, damit zu leben und zu arbeiten.
Es mag ja sein, dass Vista alles sehr viel besser macht als Windows XP – auch wenn ich nach meinen Erfahrungen mit der Beta und dem Release Candidate davon nicht unbedingt ausgehen würde. Vista macht vieles anders, keine Frage. Aber ob das auch besser ist, wird sich erst noch zeigen müssen.
Natürlich weiß auch Microsoft, dass der größte Konkurrent von Windows Vista nicht Linux oder Mac OS X heißt, sondern Windows XP. Das alte Betriebssystem ist einfach schon viel zu lange auf dem Markt, als dass es so ohne weiteres von der Bildfläche bzw. den Monitoren verschwände.
Kein Wunder, dass Steve Ballmer bei der offiziellen Vorstellung von Vista von der geplanten Werbekampagne zur Markteinführung von Vista schwärmte. Mehrere hundert Millionen Dollar wird Microsoft sich die Aktion kosten lassen und alles in den Schatten stellen, was man bislang von Microsoft in dieser Richtung gesehen hat.
Machen wir uns also darauf gefasst, in den nächsten Monaten mit Plakaten und Werbespots bombardiert zu werden, die uns einreden wollen, dass unsere Computer zu alt und zu unsicher seien und wir unbedingt auf das neue Vista wechseln müssen.
Das müssen wir natürlich nicht, zumal sich so mancher Kunde vielleicht noch amüsiert an die Kampagne zur Markteinführung von Windows XP und Windows 95 erinnern wird. Auch damals wurde uns exakt das gleiche versprochen wie heute: Das neue Windows soll jedes Mal schneller, sicherer und überhaupt besser sein.
Vielleicht stimmt das dieses Mal ja sogar. Aber das bekommen wir schon noch früh genug mit. Irgendwann im Laufe des nächsten Jahres werde ich mir wohl einen neuen Windows-PC kaufen – da ist Windows Vista dann unweigerlich mit dabei. Und bis es soweit ist, kann der bullige Steve Ballmer ruhig belfern und bellen soviel er will – ich werde Vista trotzdem nicht kaufen.
