Virtual Vista & Co.
Heute habe ich einige Zeit damit verbracht, verschiedene Betriebssysteme zu installieren, zu löschen und wieder neu aufzusetzen. Dabei habe ich mal mehr, mal weniger Arbeitsspeicher in der Maschine gehabt, Festplatten in verschiedenen Größen benutzt und mal eine Netzwerkkarte installiert, mal nicht.
Das klingt jetzt vielleicht so, als hätte ich den lieben langen Tag Computerhardware zusammengeschraubt und mit Installations-CDs jongliert – und genau darauf habe ich früher auch so manche Stunde verwendet –, aber heute hat mich das alles nur ein paar Mausklicks gekostet. Denn ich habe nicht an echter Hardware gearbeitet, sondern an virtuellen Maschinen.
Dabei wird die Hardware eines Computers größtenteils von einem Programm simuliert, das sich zudem bei der realen Hardware bedient, um etwa ein DVD-Laufwerk oder eine Netzwerkkarte nutzen zu können. So entsteht ein virtueller Intel-PC, auf dem man wie gewohnt Software installieren kann. Der erste Schritt besteht natürlich darin, ein Betriebssystem zu installieren – und genau das habe ich heute mit Windows XP, Linux und Vista getan.
Ich arbeite nun seit mehreren Jahren mit wachsender Begeisterung mit virtuellen Maschinen. Wo ich früher für Softwaretests immer einen vollständigen Computer samt Monitor, Tastatur und Maus benötigte (selbst dann, wenn ich nur rasch wissen wollte, wie ein bestimmter Menüpunkt in einer bestimmten Version eines Programms heißt), oder mich mit Notlösungen wie Dual-Boot-Systemen behelfen musste, genügen heute wenige Mausklicks und ich habe einen neuen PC zur Verfügung, der den gewünschten Anforderungen entspricht.
Sehr angenehm ist es auch, dass man einen virtuellen PC im laufenden Betrieb einfach anhalten kann. Dabei wird ein Speicherabbild des aktuellen Zustands auf die Festplatte geschrieben, das man zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktivieren kann. So arbeitet man exakt an der Stelle weiter, an der man aufgehört hatte. Speichern und Starten einer virtuellen Maschine nimmt dabei weniger als eine Minute in Anspruch.
Virtualisierungslösungen gibt es inzwischen für alle Plattformen. Auf meinem Windows-PC läuft die Software von VMWare, mein G4-Powerbook kann sich dank Virtual PC von Microsoft in einen Windows-PC verwandeln und auf meinem iMac verrichtet Parallels klaglos seinen Dienst.
Im Laufe der Jahre habe ich mit Erstaunen festgestellt, mit welchem Entwicklungstempo die Dinge hier voran getrieben werden. Dazu trägt sicherlich die enorm leistungsfähige Hardware bei – inzwischen gehört Virtualisierung zum Standardfeature der Prozessoren, was den Programmen natürlich ganz erhebliche Rechenzeiten erspart –, aber auch die Softwareentwickler leisten ganze Arbeit.
Bei meinen ersten Versuchen habe ich die virtuellen Maschinen eher seufzend und ein wenig unwillig gestartet. Das hat zwar alles funktioniert und allemal besser als der Rechnerpark, der früher mein Arbeitszimmer verstopfte, war aber doch im Ganzen eher haklig und zäh. Doch diese Zeiten sind vorbei. Eine virtuelle Maschine ist heute in wenigen Sekunden einsatzbereit und lässt man sie im Fullscreen-Modus laufen, dann kann man schon einmal vergessen, dass man überhaupt an einem virtuellen Computer sitzt.
Genau das ist übrigens auch eine der Sorgen der Sicherheitsfachleute: Während man glaubt, an einem realen Computer zu arbeiten und bis hinunter zur Systemebene alles im Griff und unter Kontrolle zu haben, gaukelt einem das lediglich eine virtuelle Maschine vor, die in Wirklichkeit alle Eingaben des Anwenders fein säuberlich mitprotokolliert.
Aber von solchen Szenarien, die wirken, als seien sie dem Film Matrix entnommen, sollte man sich nicht schrecken lassen – dazu sind virtuelle Maschinen viel zu nützlich und wichtig.
