Verbraucherschützer gegen Spam
Eine gute Stunde war ich heute zum Essen und fand nach der Rückkehr an meinen Computer fünf neue Mails vor. Drei Stück davon waren Spam. Pro Tag summieren sich die Spammails auf rund 30 bis 50 auf, manchmal weniger, mitunter sehr viel mehr. In der Woche komme ich so auf rund 300 unerwünschte E-Mail-Nachrichten. Und das sind nur die Mails meiner beiden Hauptaccounts, die es tatsächlich bis zu meinem Computer schaffen. Die Spammails meiner Webmailer und die, die schon im Vorfeld vom Mailserver abgefangen werden, sind da nicht mitgezählt.
Jetzt habe ich doch mal rasch nachgesehen. Bei Google Mail haben sich seit dem 14. Januar – also in rund 30 Tagen –, genau 2021 Spams angesammelt, bei Web.de finden sich 56 Spams aus den letzten zwei Tagen und bei GMX wurden seit dem 23. Januar 215 Mails als Spam aussortiert.
Insgesamt dürften wohl rund 800 bis 1.000 Spams pro Woche an mich geschickt werden. Damit bekomme ich überdurchschnittlich viel unerwünschte E-Mail. Das jedenfalls legt eine neue Studie der deutschen Verbraucherschützer nah.
Befragt wurden rund 1.000 Internet-Nutzer nach dem Spam-Anteil in ihrer Mail. 60 Prozent klagten über 10 bis 100 Stück, knapp 30 Prozent über mehr als 100 Spams pro Woche. Dabei wird Spam inzwischen nicht nur als Werbeträger für dubiose Produkte benutzt, sondern auch als Verbreitungsweg für Viren oder andere Schadprogramme. Rund 30 Prozent der Befragten gaben an, Ärger mit dieser Spam-Variante bekommen zu haben.
Nun ist die Umfrage zwar hinsichtlich Methode und Basis ein wenig fragwürdig – reichen 1000 Befragungen wirklich aus? Und haben die Befragten wirklich verstanden, was sie gefragt wurden? –, aber das Ergebnis passt zu allen anderen Studien (etwa den Analysen der ausgefilterten Spammails bei großen Providern). Und jeder, der etwas länger im Internet aktiv ist, wird kaum widersprechen, dass Spam ein allgegenwärtiges Problem im Netz ist.
Die Umfrage der Verbraucherschützer steht im größeren Kontext einer seit längerer Zeit laufenden Aktion Verbraucher gegen Spam. Im Rahmen dieser Aktion wurde auch eine Spam-Meldestelle eingerichtet, die von Ende September 2005 bis Ende 2006 aktiv war. In diesem Zeitraum wurden 2,4 Millionen Spambeschwerden eingereicht. Die Beschwerden mündeten in 59 Strafverfahren, von denen 27 mit einer Unterlassung endeten, 25 Verfahren sind noch nicht abgeschlossen.
Angesichts der riesigen Spamwellen mögen diese konkreten Verfahren lächerlich wirken, aber das täuscht. Zum einen hat es sich in der Vergangenheit gezeigt, dass riesige Spamwellen von einzelnen Personen verursacht wurden. Nur weil ein paar Millionen Spammail pro Tag verschickt werden, muss man ja nicht ein paar Millionen Prozesse führen. Hat man die richtigen Leute am Wickel, reicht vielleicht sogar ein einziges Verfahren.
Zum anderen haben die Prozesse einen wichtigen Signalcharakter. Sie zeigen deutlich, dass ein Spammer nicht damit rechnen kann, mit seinem Treiben ungeschoren durchzukommen, sondern früher oder später vor Gericht landen wird – zumindest hierzulande. Denn die Rückverfolgung ist natürlich das Hauptproblem bei der Spambekämpfung. Oft ist es unmöglich, die Herkunft genau zu lokalisieren, oft landet man dabei aber auch in weit entfernten Ländern, in denen das deutsche Recht natürlich nicht gilt.
Kein Wunder, dass die Verbraucherschützer eine drastische Verschärfung der aktuellen Gesetzgebung fordern. Zwar wird der Versand von Spam-Mails hierzulande mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro belegt, aber angesichts der Summen, die ein Spammer umsetzt, gehört das eher in die Kategorie „Portokasse“. Die Verbraucherschützer fordern daher ein Bußgeld von bis zu 500.000 Euro. Außerdem müsste die Spam-Definition des entsprechenden Telemediengesetzes erweitert werden. Derzeit greift sie nämlich nur, wenn Absender und Betreffzeile den Inhalt der Mail verschleiern.
Ich setzt bei der Spam-Vermeidung zwar lieber auf den Spamfilter in Thunderbird als auf gesetzliche Regelungen, aber die Verbraucherschützer haben natürlich trotzdem Recht: Man sollte erst gar nicht den Verdacht aufkommen lassen, dass man diesen massiven Missbrauch der Netzstrukturen als Bagatelle betrachtet oder gar duldet.
In diesem Sinne: Verschärft das Gesetz!
