Unsterbliches Windows XP

Mittwoch, 23. April 2008, 13.15 Uhr | Giesbert Damaschke

Eigentlich sollte es so sein: Microsoft bringt ca. alle zwei bis drei Jahren ein neues Windows auf den Markt, das alte Windows wird noch rund ein Jahr verkauft und danach aus dem Verkehr gezogen. Der Support fĂŒr das veraltete Windows lĂ€uft noch eine Zeitlang weiter und wird dann auch eingestellt. Nach rund zwei Jahren ist der Umstieg auf das neue Windows vollzogen, und dann steht auch schon die nĂ€chste Version vor der TĂŒr. So ungefĂ€hr lief es mit Windows 95, 98, 2000, Me und XP. Doch bei Windows Vista lĂ€uft alles anders. Ganz anders.

Das beginnt schon mit der enorm langen Entwicklungszeit und stark verzögerten MarkteinfĂŒhrung, setzt sich bei den lang anhaltenden Treiberproblemen fort und kulminiert in Steve Ballmers EingestĂ€ndnis, Vista sei ein „work in progress“, also ein Produkt in der Entwicklung. Gemeint hat er damit vermutlich, dass eine so komplexe Software wie Windows niemals „fertig“, sondern in stĂ€ndiger Bewegung ist, stĂ€ndig optimiert und durch regelmĂ€ĂŸige Service Packs und Update immer besser und besser wird. Doch aufgenommen wurde es als EingestĂ€ndnis, dass Vista auch nach jahrelanger Entwicklungsarbeit ein unfertiges TrĂŒmmerfeld ist.

Der wohl stĂ€rkste Grund fĂŒr die wachsenden Probleme von Vista ist die QualitĂ€t von Windows XP. FĂŒr das nĂ€mlich gilt, was Ballmer ĂŒber Vista vermutlich sagen wollte. XP ist, bedingt durch die lange Wartezeit auf Vista, tatsĂ€chlich durch zahlreiche Patches und vor allem durch das Service Pack 2 immer besser und besser geworden. Inzwischen ist es das langlebigste Windows aller Zeiten, in dem am meisten Anwendererfahrungen stecken und das am stĂ€rksten von seinem praktischen Feldeinsatz profitieren kann.

Kurz: XP ist ausgereift, stabil, lĂ€uft auf aktueller Hardware sehr schnell und bietet unterm Strich alles, was man so braucht. Es gibt schlicht ĂŒberhaupt keinen Grund, auf Windows Vista zu wechseln.

Kein Wunder, dass sich Microsoft schwer tut, XP aus dem Verkehr zu ziehen. Eigentlich sollte es bereits im Januar 2008 eingestellt werden, dieser Termin ist jetzt auf Juni 2008 verlĂ€ngert worden. Doch XP wird es auch nach diesem Termin noch ganz normal von Microsoft zu kaufen geben. Dann nĂ€mlich, wenn man Hersteller eines Subnotebooks vom Type EeePC ist. Diese kleinen, preiswerten Notebooks – die von Microsoft in erkennbar denunziatorischer Absicht als „ultra-low-cost“-GerĂ€te, also als Billigkram bezeichnet werden – erfreuen sich immer grĂ¶ĂŸerer Beliebtheit und sind einer der Trends der aktuellen PC-Entwicklung.

Dumm nur, dass diese GerĂ€te einfach zu klein und schwachbrĂŒstig sind, um auf ihnen Vista laufen zu lassen. Statt dessen kommen sie prima mit Windows XP zurecht. Und, natĂŒrlich, mit Linux. Da Microsoft Linux aber keinen Fußbreit vom Markt ĂŒberlassen darf, ohne sich ins eigene Fleisch zu schneiden, hat man die VerfĂŒgbarkeit von Windows XP fĂŒr diese preiswerten Mini-Notebooks bis zum Jahr 2010 verlĂ€ngert.

Es sieht also nicht so aus, als wĂŒrde Windows XP allzubald von der BildflĂ€che verschwinden.

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