Und bist Du nicht willig …

Donnerstag, 14. Februar 2008, 6.35 Uhr | Giesbert Damaschke

Nehmen wir an, Sie wären im Besitz einer Briefmarke, die ich als Briefmarkensammler unbedingt haben möchte. Ich würde also Kontakt zu Ihnen aufnehmen und Ihnen ein Angebot machen. Dabei würde ich wohl kaum den maximalen Betrag nennen, den ich unter Umständen zu zahlen bereit wäre, sondern einen Preis, den ich für gut genug halte, dass Sie ihn annehmen könnten, ohne dass ich dabei meinen Verhandlungsspielraum vollständig auszunutzen müsste. Schlagen Sie ein, ist alles in Ordnung, ich bekomme die Briefmarke, Sie das Geld. Zögern Sie, könnte ich mein Angebot ein wenig erhöhen, Sie könnten sich die Sache noch einmal überlegen – und so weiter. Was ich aber auf gar keinen Fall tun würde: Ihnen sagen, dass ich die Briefmarke unbedingt haben will. Denn damit brächte ich mich in eine ungünstige Verhandlungsposition, in der Sie den Preis diktieren können. Also alles klar soweit.

Doch was ist davon zu halten, wenn der Chef eines weltweiten Konzerns sich genau so zu verhalten scheint, wie man es im Alltag auf gar keinen Fall tun würde? So wie Steve Ballmer etwa. Der will als Chef von Microsoft bekanntlich den Webkatalog Yahoo für gut 44 Milliarden US-Dollar übernehmen. Und er hat, noch während man bei Yahoo über das Angebot diskutierte, vor einer Versammlung von Analysten und Investoren gesagt, man bräuchte “die gemeinsame Forschungs- und Entwicklungskapazität [von Yahoo und Microsoft], um mit dem Marktführer [Google] mitzuhalten.” Diese Aussage wird vom Heise-Newsdienst wohl nicht zu Unrecht mit “Microsoft-Chef sieht keine Alternative zu Übernahme von Yahoo” umschrieben.

Da überrascht es eigentlich nicht, dass Yahoo Microsofts Angebot als zu niedrig ablehnt. Neben manchen anderen Gründen dürfte für die Absage auch die Spekulation ausschlaggebend gewesen sein, dass ein Konzern, der seine Ausweglosigkeit so öffentlich macht, wie Microsoft es getan hat, statt der gebotenen rund 31 auch 40 US-Dollar pro Aktie zahlen wird – und damit rund 12 Milliarden US-Dollar mehr.

Microsoft reagierte auf Yahoos (vorläufige) Absage enttäuscht, aber gelassen. Man lässt allerdings keinen Zweifel daran, wie wichtig der geplante Deal ist: “Wir sind auf diese Kombination [von Microsoft und Yahoo] fixiert”, zitiert Spiegel Online den Strategiechef Microsofts Yusuf Mehdi.

Microsoft will also tatsächlich unbedingt Yahoo übernehmen, womit sich Ballmers Verhalten vielleicht erklärt – es war ein offener Angriff mit einer klaren Botschaft: Bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt.

Anders gesagt: Geht Yahoo nicht auf das Angebot ein, wird Microsoft eine feindliche Übernahme vorbereiten.