Spam, Spam, Spam

Montag, 22. Oktober 2007, 16.45 Uhr | Giesbert Damaschke

Unerwünschte Werbung, auch bekannt als “Spam”, ist das Grundübel jeder elektronischen Kommunikation. Dabei scheint der Mailmüll in Wellen aufzutreten. Mal verfangen sich im Spamfilter nur eine Handvoll Angebote für Viagra, Penisverlängerungen und Rollex-Uhren, dann plötzlich bricht eine regelrechte Spamflut über einen herein, die allmählich wieder abebbt, um kurz darauf erneut für überlaufende Spamfilter zu sorgen.

Laut einer Umfrage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen bekommt ein deutscher Internet-Nutzer rund 100 Spammails pro Woche. Allerdings ist diese Studie vom Februar dieses Jahres, inzwischen dürfte der Wert deutlich gestiegen sein. Wenn ich mir mein Spam-Aufkommen so anschaue, dann tippe ich eher auf “bis zu 100 Spammails pro Tag”.

Dabei habe ich es noch gut. Denn bei mir greifen die Spamfilter und um den gröbsten Dreck kümmert sich das Mailprogramm, auf das ich mich bei der automatischen Müllabfuhr im Großen und Ganzen verlasse. Andere haben es da nicht so einfach.

Nehmen wir zum Beispiel die Postcomputer der Polizei in Niedersachsen. Dort kommen zwei Faktoren zusammen, die fast zwangsläufig für eine erhöhte Spamlast sorgen.

Zum einen kann man die Mail-Adresse der Polizei nicht geheim halten oder den Versand von E-Mails an diese Adresse über Webformulare oder ähnliche Tricks erschweren. Denn schließlich soll jeder Bürger jederzeit möglichst einfach eine E-Mail an die Polizei schicken können. Diese Offenheit und die hohe Verbreitung bedeuten zwangsläufig, dass die Adresse in den Verteilern vieler Spammerbanden landet.
Zum anderen darf man den üblichen Spamfiltern nicht vertrauen. Denn hier kann zu leicht ein Fehler unterlaufen und etwa eine Bürgerbeschwerde über einen Spammail vom Filter selbst als Spam klassifiziert und aussortiert wird. Die Polizei ist also gezwungen, eintreffende Mails sehr viel sorgfältiger zu kontrollieren als viele andere Netzteilnehmer.

Das Ergebnis dieser beiden Faktoren konnte die niedersächsische Polizei vor wenigen Tagen erleben. Bis zu 200.000 Mails, so berichtet der Focus, verstopften die Mailserver und blockierten fast die komplette externe E-Mail-Kommunikation (für interne Belange gibt es ein eigenes System, das von der Spamwelle nicht betroffen war). Diese Spamblockade führt zum Beispiel dazu, dass Hinweise an die Mordkommission Braunschweig verspätet eintrafen.

Als Ausweg aus dieser unhaltbaren Situation hat die Rechenkapazitäten aufgestockt, so dass die Mailcomputer nun auch größere Datenanstürmen standhalten, ohne einzuknicken. Aber das ist natürlich nur eine vorübergehende Lösung, schließlich hat der Ausbau einer staugeplagten Straße noch nie dauerhaft für fließenden Verkehr, sondern unterm Strich nur dafür gesorgt, dass noch mehr Autos fuhren.