Sommer, Sonne, Autoresponder
Jedes Jahr im Sommer häufen sich die automatisierten Mail-Antworten. Das ist kein Wunder, schließlich fahren die meisten Leute in dieser Zeit für längere Zeit in den Urlaub und nur die wenigsten bearbeiten ihre elektronische Post auch am Strand. Statt dessen aktiviert man einen so genannten “Autoresponder” und schon wird jede eintreffende Mail automatisch mit einem vorbereiteten Text beantwortet.Das klingt eigentlich ganz gut, sorgt aber regelmäßig für Ärger und Ärgeres. Ärgerlich ist es, wenn sich auf Mailinglisten plötzlich Beiträge häufen, die einen darüber informieren, dass Teilnehmer X für so und so lange im Urlaub ist. Oftmals handelt es sich dabei um Autoresponder von Listenteilnehmern, die sich ansonsten nie zu Wort melden.
Doch schlimmer als dieses unnötige Rauschen in der digitalen Kommunikation sind die Sicherheitsprobleme, die ein Autoresponder aufwirft. Denn ein Autorespondern informiert unter Umständen die falschen Personen über Details, die sie nichts angehen.
Genau das ist mir vor ein paar Tagen passiert. Ein Freund von mir schickte eine Rundmail an mehrere Bekannte. In einem Fall erreichte er nur den Autoresponder, der nun an alle Adressen, die auf dem Verteiler standen, folgenden (natürlich anonymisierten) Bericht schickte:
Ich werde ab 23.07.2007 nicht im Büro sein. Ich kehre zurück am 30.07.2007.
Ihre Nachricht werde ich nach meiner Rückkehr schnellstmöglich beantworten. In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an Frau R. (Durchwahl -1234) oder Herrn N. (Durchwahl -5678).
Die Mail wurde mit einer langen Signatur unterzeichnet, in der ich neben dem Namen des Absenders auch seinen Arbeitgeber, seine Position, seine Anschrift und andere Kontaktdaten fand. All dies sind Daten einer Person, die mir bislang völlig unbekannt war.
Dabei betrifft der mögliche Missbrauch der Daten nicht nur die Spammer und Telefonwerber, die sich über jede Telefonnummer und Mail-Adresse freuen, sondern auch zum Beispiel Einbrecher. Man kann schließlich davon ausgehen, dass jemand im Urlaub wohl nicht nur nicht im Büro, sondern auch nicht zuhause sein wird. Auch Identitäts-Diebe sind für derartige Informationen immer dankbar.
Nun ist dieser Fall natürlich nicht gar so arg, schließlich will wohl keiner im Bekanntenkreis meines Freundes die ihm zufällig in die Hände geratenen Daten missbrauchen.
Aber der Fall zeigt sehr schön, dass ein Autoresponder gewissermaßen auch “über Bande” funktionieren kann und unter Umständen interne Kommunikationsstrukturen ausplaudert, die normalerweise nicht für jedermann bestimmt sind, dank Autoresponder aber an jedermann verschickt werden.
So gesehen ist ein Autoresponder am Ende vielleicht doch keine so gute Idee. Bevor man ihn leichtfertig aktiviert, sollte man sich die Konsequenzen vor Augen führen. Noch besser ist es freilich, auf Autoresponder zu verzichten und seinen wichtigsten Mail- und Geschäftspartner vorab von einer längeren Abwesenheit zu informieren.
