SMS-Weihnachten
Als ich vor etlichen Jahren zum ersten Mal von SMS hörte und eine Beschreibung dazu las, war mein erster Gedanke, was für ein Quatsch das doch sei und dass dergleichen nie und immer erfolgreich sein könne. Das muss man sich mal vorstellen: Die Leute sollen auf einem Telefon mit mehrfach belegten winzigen Zifferntasten auf einem miesen Display Kurznachrichten von maximal 160 Zeichen zusammenstoppeln, um sie dann Leuten zu schicken, die sie mit dem gleichen Gerät genau so gut anrufen könnten. Das wird nie was. Da war ich mir sehr sicher.
So kann man sich täuschen. Heute ist SMS ein nicht mehr wegzudenkendes Kommunikationswerkzeug, dass quer durch alle Altersschichten völlig selbstverständlich benutzt wird. Offensichtlich ist der Nutzen einer SMS so groß, dass die absurd komplizierte Methode zur Erstellung einer SMS klaglos akzeptiert wird. Und natürlich habe auch ich inzwischen eingesehen, dass SMS in vielen Situationen ein ziemlich nützliches Instrument sein kann (auch wenn ich nach wie vor zu den Wenigst-Simsern gehöre und mich nach wie vor mit dem blöden Gefummel auf dem Handy schwer tue).
15 Jahre ist das System nun alt und hat eine Erfolgsgeschichte sondergleichen hingelegt. Die erste SMS soll im Dezember 1992 vom Vodafone-Ingenieur Neil Papworth verschickt worden sein und den Text “Merry Christmas” enthalten haben.
Auch diese spezifische Form digitaler Weihnachtsgrüße sind heute gewissermaßen Standard. Jeder dritte Deutsche, so meldet der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), wird in diesem Jahr dem Beispiel Neil Papworth’ folgen und seine Weihnachtsgrüße in elektronischer Form verschicken – also als E-Mail, SMS oder MMS.
Gerade bei jungen Leuten im Alter von 14 bis 29 Jahre sei eine SMS ein völlig normales Medium und habe Karten oder Briefe fast abgelöst. Das mag man bedauern, aber es gibt auch positiven Aspekt. Denn seit es E-Mail, SMS & Co. gibt, sprechen manche Beobachter geradezu von einer Renaissance der Briefkultur. Die Jugend schreibt sich wieder – dass sie das in einer ihr gemäßen Form tut, kann man ihr wohl schwerlich zum Vorwurf machen.
Auch ich werde manche meiner Weihnachtsgrüße vielleicht per Handy übermitteln. Allerdings nicht als SMS, sondern als gewöhnliches Telefonat.
