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Donnerstag, 3. April 2008, 6.05 Uhr | Giesbert Damaschke

Eine der Funktionen, die mich beim iPhone auf Anhieb fasziniert haben, ist die Möglichkeit, seinen aktuellen Standort auf Google Maps eintragen zu lassen. Na und? werden Sie jetzt sagen, das kann doch jedes GPS-fähige Smartphone. Das stimmt – nur: das iPhone hat kein GPS. Statt dessen arbeitet Google hier mit WPS.

Zur Funktionsweise von WPS habe ich an dieser Stelle Ende Januar schon einmal etwas geschrieben, nämlich das hier:

Jedes Netzwerkgerät und also auch jeder WLAN-Zugang besitzt zur eindeutigen Identifizierung im Netzwerk eine MAC-Adresse (MAC = Media Access Control), z.B. a3-b8-7c-4d-0f-ed. An dieser Adresse erkennt etwa ein Notebook einen WLAN-Zugang, für den es Zugangsdaten besitzt und bei dem es sich also automatisch einloggen kann.

Trägt man nun die MAC-Adressen erreichbarer WLANs in eine Straßenkarte ein, dann kann man, unter Berücksichtigung der Signalstärke, diese Daten zur Positionsbestimmung nutzen. Zum Beispiel so: “WLAN A und B sind sehr gut erreichbar, WLAN C und D schwach, WLAN E sehr entfernt – das kann nur bei der Litfaßsäule in der Fritz-Müller-Straße sein.”

Das System steht und fällt natürlich mit der WLAN-Dichte einer Gegend, aber die soll, da sind sich die Forscher wohl einig, zumindest in urbaner Umgebung längst ausreichend hoch sein, um WLAN-Knoten zur Ortsbestimmung nutzen zu können.

Was ich im Januar noch nicht wusste war, wie ganz erstaunlich gut das System zumindest in einer Großstadt wie München funktioniert. Natürlich gibt es auch hier immer wieder Ecken, in denen Sie kein WLAN in Empfangsnähe haben, aber oft genug kann Google Maps den eigenen Standort innerhalb kürzester Zeit auf rund 20 bis 50 Meter genau bestimmen.

Das ist natürlich sehr praktisch, aber nicht ganz unproblematisch. Denn in Zeiten dramatisch anwachsender Datensammelwut von Unternehmen, aber auch von Behörden, scheinen manche Missbrauchsszenarien dieser Technik vielleicht nicht mehr ganz so paranoid wie einst.

So dürfte es wohl kein größeres Problem sein, diese nützliche Ortungsfunktion auch als geheimen Peilsender zu einzusetzen, mit dem ein iPhone-Besitzer straßen- und fast auch schon hausnummerngenau lokalisiert werden kann. Das geht weit über die bei allen Handys ja immer mögliche Ortung über den aktuellen Einwahlknoten hinaus.

Doch bedenklicher als die Big-Brother-Szenarien einer Stasi 2.0 scheinen mir die Datenberge bei Google zu sein. Durch meinen Gmail-Account und die Nutzung einer Reihe von Google-Diensten bin ich persönlich identifizierbar. Es ist für Google ein Leichtes, einen personenbezogenen Cookie auf meinem Computer zu hinterlassen, um mich auch beim Zugriff auf andere Webseiten identifizieren zu können.

Ich weiß nicht, wieviele Daten Google über mich bereits gesammelt hat, aber es wird wohl ein ziemlich umfangreicher Haufen sein. Mit Google Maps und der WPS-Ortung des iPhones ließe sich dieses virtuelle Profil um realweltliche Daten erweitern.

Noch zeigen mir die automatisch eingeblendeten Anzeigen auf Webseiten aus dem Google-Netzwerk, dass es mit der Identifizierung und Zielgruppentreffsicherheit allen Datenbergen zum Trotz nicht allzu weit her sein kann, dazu liegen diese Anzeigen nur zu oft grotesk daneben.

Noch wiegen meine Neugier und die unbestreitbare Nützlichkeit von Diensten wie Google Maps auf dem iPhone meine Bedenken auf.

Noch.