Sex doesn’t sell
Lange Zeit sah es so aus, als liefe der Motor der Spam-Industrie nach dem Motto „Sex sells“. Der bei weitem größte Teil der unerwünschten Werbung pries Viagra, Pornos und ähnliches Zeug an. Doch die Zeiten ändern sich, auch in der Spam-Industrie. Denn nach der neusten Spam-Statistik von Symantec macht der so genannte „Adult Spam“ nur noch drei Prozent des gesamten Spam-Aufkommens auf.Und in der Tat – jetzt, wo man mich darauf aufmerksam macht, fällt mir auch auf, dass ich auffallend wenig solcher Spam-Mails mehr bekomme. Ein flüchtiger und ganz und gar nicht repräsentativer Blick in meinen Mail-Müllkorb bestätigt diesen Eindruck – von rund 100 Spams haben gerade fünf erotische Inhalte, der Rest wirbt für Kopien von Rolex & Co., billige Software, Glücksspiele und ganz besonders für die so genannten „Penny-Stocks“, mit denen ich mich schon vor einiger Zeit beschäftigt habe.
Damit liegt mein Spam-Aufkommen voll im Trend. Laut Symantec dreht sich Spam derzeit um folgende Inhalte:
- 3 % Porno-Spam.
- 5 % Spiel & Entspannung (Glücksspiele, Casino …)
- 8 % Betrügerische Mails (Phishing, „Nigeria-Connection“, dubiose Geschäftsangebote)
- 15 % Angebliche Internet-Dienste (Suchmaschinen-Platzierung, Online-Werbung …)
- 21 % Finanzen (Penny-Stocks und verwandte Themen)
- 24 % Imitate von Markenprodukten (Software, Uhren …)
- 24 % Gesundheit (Online-Apotheken, angebliche Medikamente …)
Nicht nur inhaltlich, auch technisch orientieren sich die Spammer-Banden neu. Reine Textanzeigen und „Kauf mich!“-Links gibt es nur noch selten, dafür nimmt der „Bilder-Spam“ deutlich zu, bei dem die Werbebotschaft als verzerrte Grafik verschickt wird. Eine solche Grafik ist für einen Spamfilter fast nicht zu erkennen, während das menschliche Auge den enthaltenen Text mühelos entziffern kann.
Zudem werden die Spammer international. Während bislang Englisch die Spam-Sprache Nummer Eins war, nehmen Spams auf Deutsch, Italienisch und Französisch deutlich zu.
Gleich geblieben ist allerdings die fatale Tendenz, dass der Spam-Anteil an E-Mails kontinuierlich steigt. Hier kommt Symantec auf gut 70 Prozent.
Etwas überraschend ist Symantecs Analyse der Ursprungsländer. Während man immer wieder von den Spammern aus Russland und dem asiatischen Raum hört, sprechen Symantec Zahlen eine deutlich andere Sprache. Danach kamen fast 70 Prozent aller Spam-Mails aus Europa und Nordamerika. Asien folgt mit gut zehn Prozent erst auf Platz drei.
Immerhin, sehen wir das Positive: Wenn Symantecs Analysen stimmen – und es gibt eigentlich keinen Grund, ihnen zu misstrauen – und die aktuellen Spam-Wellen aus Europa und den USA stammen, dann sind die verschiedenen Anti-Spam-Gesetze doch nicht sinnlos und weit mehr als symbolische Geste. Und das ist doch immerhin ein etwas tröstlicher Gedanke.
