SCO ist wieder da

Donnerstag, 6. März 2008, 6.55 Uhr | Giesbert Damaschke

Im September letzten Jahres machte die Meldung die Runde, die amerikanische SCO Group sei pleite. So mancher hat da aufgeatmet und “endlich!” gemurmelt. Das war natürlich nicht nett, aber verständlich. Denn der Stoßseufzer entsprang nicht der hämischen Schadenfreude, sondern der Hoffnung, dass damit eines der unleidigsten Kapitel der Software-Industrie endlich beendet sein möge und man sich wieder um wichtigere Dinge als zweifelhafte Urheberrechtsklagen kümmern konnte.

Zur Erinnerung: Seit März 2003 hielt die SCO Group mit immer neuen Behauptungen und Anschuldigungen die IT-Szene auf Trab. Man verklagte IBM, Novell und noch einige andere Firmen auf zum Teil horrende Summen. Begründung für die Klagen: Geistiger Diebstahl. Angeblich bestünde der Linux-Quellcode zu großen Teilen aus Programm-Code, an dem SCO die Rechte habe.

Die ganze Sache wurde schon kurz nach Beginn der lautstarken Aktionen von SCO für Außenstehende praktisch undurchschaubar, schließlich haben sich die Beschuldigten die Vorwürfe nicht einfach gefallen lassen und teilweise mit Gegenklagen reagiert.

Sicher schien nur, dass SCO zwar kaum eine Gelegenheit ausließ, ordentlich auf den Putz zu hauen, aber keine einzige der Behauptungen belegte. Nach einigem hin und her und etlichen Zickzackmanövern wurde im August 2007 in einem der ersten anhängigen Prozesse ein Urteil gefällt – und SCO verlor mit Pauken und Trompeten. Kurz darauf war SCO pleite.

Doch wie ein Phönix aus der Asche taucht SCO jetzt wieder auf will sich gleich mit Eifer wieder an sein Geschäft begeben. Und das heißt: angebliche Copyright-Diebe verklagen.

Möglich wurde die Rückkehr aus dem Reich der Toten durch den Gläubigerschutz nach Chapter 11, den das US-Recht vorsieht. Dabei wird das betroffene Unternehmen von einem Konkursverwalter geführt, der versucht, das Unternehmen zu retten. Aus diesem Schutz ist SCO nun mit einem Kapital von rund 100 Millionen herausgetreten. Das Geld stammt von verschiedenen Investmentbanken, die ganz darauf zu setzen scheinen, dass SCO seine diversen Prozesse gewinnen und am Ende kassieren wird. Die Klage gegen IBM beläuft sich zum Beispiel auf eine rund Milliarde US-Dollar. Selbst nach Abzug der über die Jahre akkumulierten Rechtsanwaltskosten sollten da ein paar hundert Millionen als Profit hängen bleiben.

Ob es tatsächlich zu einer Fortsetzung der Klagewelle kommt, ist noch nicht entschieden (über die Neustrukturierung des Unternehmens und die Wiederaufnahme der Geschäfte entscheidet das Konkursgereicht Anfang April), aber es sieht sehr danach aus, als wäre der Spuk noch lange nicht vorbei.