Roaming-Kosten in Europa
Nun gilt sie also, die neue und vieldiskutierte EU-Richtlinie zu den Roaming-Kosten im EU-Ausland. Doch wer auf einfache, klare Tarife gehofft hat, sieht sich getäuscht. Nach wie vor muss man sehr genau hinschauen, wenn man im Ausland mit dem Handy telefoniert.
Was ist überhaupt “Roaming”?
Beim Roaming geht es, kurz gesagt, darum, dass der Kunde kreuz und quer durch die Welt reisen kann, ohne sich darum kümmern zu müssen, in welchem Telefonnetz er sich gerade befindet. Damit das funktioniert, haben die Netzbetreiber untereinander komplizierte Verträge ausgetüftelt, was genau passieren soll, wenn ein Handy, das normalerweise im Land A über das Netz des Anbieters B telefoniert, durch einen Ortswechsel des Besitzers nun im Land C über das Netz des Anbieters D erreichbar sein soll. Die dabei entstehenden Kosten werden dabei an den Kunden weitergegeben.
Der zahlt beim Handy-Einsatz im Ausland bei jedem Gespräch und jeder anderen Handy-Aktion. Und zwar ganz gleich, ob er selbst aktiv wird und jemanden anruft, oder ob er angerufen wird. Denn der Anrufer daheim kann ja nicht wissen, dass sich sein Gesprächspartner zufällig in einem anderen Handy-Netz aufhält. Daher zahlt der Anrufer nur den normalen Telefontarif für ein Inlands-Gespräch, den Rest muss der Angerufene bezahlen.
Roaming-Kosten
Wenn von “anfallenden Kosten” die Rede ist, dann darf man nicht vergessen, dass es sich um eher virtuelle Kosten handelt. Der Übergang zwischen den Netzen verursacht ja nicht per se Kosten, sondern er kostet Geld, weil der Netzbetreiber das so will. Die bisherigen Roaming-Gebühren spiegelten letztlich das Maximum dessen wieder, das die Kunden zähneknirschend zu zahlen bereit waren.
Außerdem herrschte ein schwer bis überhaupt nicht mehr durchschaubarer Abrechnungswildwuchs, der dazu führte, dass selbst die Mitarbeiter der Mobilfunkunternehmen nicht immer wussten, wie genau sich welche Posten auf der Monatsrechnung zusammensetzten. Und nicht wenige Kunden stellten nach dem Urlaub erschrocken fest, dass sie für mehrere hundert Euro telefoniert hatten, ohne es zu merken.
Dem hat die EU ab dem 1. Juli einen Riegel vorgeschoben und maximale Gebühren festgelegt. Danach darf ein Handy-Telefonat im Ausland nicht mehr als 49 Cent, ein ankommender Anruf nicht mehr als 24 Cent pro Minute kosten. Rechnet man die hierzulande üblichen 19 % Umsatzsteuer hinzu, so kommt man auf 58,31 Cent für ausgehende, und 28,56 Cent für eintreffende Anrufe pro Minute.
Die Anbieter haben nun bis Ende Juli Zeit, um ihren Kunden die neuen Gebühren in verständlicher Sprache zu erklären und anzubieten. Die Kunden haben anschließend zwei Monate Zeit, sich für einen Tarif zu entscheiden.
Bereits jetzt bieten einige Anbieter neue EU-Tarife an, andere wollen bis spätestens Ende August nachziehen. Schon jetzt ist erkennbar, dass eines der Ziele der EU-Verordnung, nämlich mehr Wettbewerb und flexiblere Preisgestaltung zu fördern, zumindest vorerst nicht erreicht zu werden scheint. Denn alle Anbieter haben prompt die maximalen Tarife benutzt und diese lediglich im Nachkommabereich passend abgerundet. In Zukunft wird ein Handy-Telefonat im EU-Ausland also 58 Cent pro Minute kosten, ein entgegengenommener Anruf wird mit 28 Cent pro Minute abgerechnet werden.
Die Schweiz gehört nicht zur EU
Generell sind die neuen Tarifregelungen natürlich zu begrüßen (zumal für die nächsten Jahre weitere Senkungen vorgeschrieben sind). Doch es gibt auch einen Haken. Denn die EU-Regelung gilt natürlich nur in EU-Ländern – also zum Beispiel nicht in der Schweiz oder der Türkei.
Wer also in Länder außerhalb der EU reist, der wird sich auch weiterhin mit Tariftabellen, Sonderregelungen und und Spezialangeboten zu studieren. Das gilt bei manchen Anbietern auch für das EU-Ausland, weil man die neuen EU-Tarife erst im Laufe des August einführen will.
Dieses Jahr sollte man im Urlaub bei Handy-Telefonaten also sicherheitshalber noch genauer hinsehen, auf welche Kosten man sich einlässt. Und nie vergessen: Auch eintreffende Anrufe kosten Geld.
Vielleicht sollte man im Urlaub das Handy einfach zu Hause lassen. Schließlich können handyfreie Wochen sehr erholsam sein. Und die Urlaubsgrüße? Die schickt man einfach wie einst per Postkarte in die weite Welt schicken. Denn da weiß man schon vorher, wie teuer es nachher werden wird.
