Rechnen und verstehen

Dienstag, 24. Juli 2007, 18.22 Uhr | Giesbert Damaschke

Eines der Lieblingsspielzeuge von Informatikern und Science-Fiction-Autoren ist die “denkende Maschine” oder die “künstliche Intelligenz”. Mit dieser Idee verbinden sich Wunschvorstellungen ebenso wie Angstszenarien. Bislang sieht es allerdings nicht danach aus, als könnte man von den KI-Forschern mehr erhoffen als fußballspielende oder treppesteigende Roboter oder als müsse man mehr befürchten als viel heiße Luft und ein paar wirre Thesen über die Struktur des menschlichen Gehirns.

Zu den Lieblingsprognosen der KI-Gläubigen gehört die Behauptung, dass in wenigen Jahren ein Computer Schachweltmeister wird und in der Lage sein soll, jeden menschlichen Gegner in Grund und Boden zu spielen.

Erstmals machte diese Prognose Ende der fünfziger Jahre die Runde und wurde seither mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder erneuert (dann nämlich, wenn man feststellte, dass der prophezeite Termin verstrichen war, ohne dass ein Computer Anstalten machte, zur Schachkrone zu greifen).

Immerhin – einen Erfolg haben die KI-Forscher jetzt zu verbuchen. Nach rund 20 Jahren Forschung ist es endlich gelungen, einen Computer zu bauen, der beim Dame-Spiel nicht zu schlagen ist. Das ist zwar noch nicht Schach, aber Dame ist hinreichend komplex, um einen jahrelang zu fesseln.

Doch man sollte sich nicht täuschen lassen: Das Programm macht immer noch das, was ein Programm halt so tut: es rechnet. Wahnwitzig schnell, natürlich, aber unterm Strich arbeitet es halt doch nur nach der Brute-Force-Methode, in dem es einfach alle denkbaren Züge durchprobiert. Das heißt – nicht alle. Denn dafür reichen auch die heutigen Rechenkapazitäten nicht aus. Das Programm muss also auswählen. Und selbst das kann es nicht von allein, sondern nur, weil seine Programmierer sehr viel Arbeit in die mathematische Beschreibung des Spiels gesteckt und daraus die nötigen Algorithmen zur heuristischen Vereinfachung der zu berechnenden Züge entwickelt haben.

All das ist sicherlich sehr beeindruckend – aber mit mit menschlicher Intelligenz  hat das unschlagbare Dame-Programm wohl trotzdem nicht viel zu tun. Denn zur menschlichen Intelligenz gehören ja auch so rätselhafte Dingen wie Intuition, Instinkt oder Emotionen.

Es bleibt wohl weiterhin dabei: Maschinen rechnen. Menschen verstehen.