Probleme beim Dokumententausch (1)
Kürzlich schickte mir eine Bekannte ein Word-Dokument zur Begutachtung per E-Mail.
Nun arbeite normalerweise mit einem Mac und habe Word nur auf meinen Windows-Testrechnern installiert.
Aber das sollte kein Problem darstellen, schließlich ist das Word-Format DOC ein de-facto-Büro-Standard. Es gibt zahlreiche Programme, die ein Word-Dokument bearbeiten können und man muss schon an einem eher exotisches System arbeiten, um beim Öffnen eines Word-Dokuments zu scheitern (dass es ein paar gute Gründe geben kann, Word-Dokumente, die einem per E-Mail erreichen, am besten überhaupt nicht zu öffnen, lassen wir mal außen vor)
Aktuell habe ich vier Programme installiert, die allesamt behaupten, DOC-Dateien importieren zu können. In alphabetischer Reihenfolge sind das:
- Mellel: Das ist eine komplette Textverarbeitung mit dem gewohnten Feature-Set.
- Neo Office: Dabei handelt es sich um die Mac OS X- Version von Open Office. Das Programm kann die wichtigsten MS-Office-Formate lesen und schreiben, natürlich auch DOC.
- Pages: Das Programm gehört zu Apples Doppelpack „iWork“, das neben Pages noch die Präsentationssoftware Keynote enthält. Pages ist eine Textverarbeitung, die besonders auf die Erstellung von gestalteten Dokumente (Tabellen, Spaltensatz, Grafiken, Farben, Hintergründe und so weiter) spezialisiert ist, weniger auf die Erfassung und Verarbeitung umfangreicher Texte.
- Textedit: Das ist ein unscheinbares Textprogramm, dass sich bei näherer Bekanntschaft als erstaunlich leistungsfähig entpuppt und zum Lieferumfang von Mac OS X gehört.
Standardmäßig öffne ich Word-Dateien mit Neo Office. So auch diese Mal. Das schien auch problemlos zu funktionieren, bis ich zu meiner Überraschung bemerkte, dass bestimmte Passagen des Dokuments in Fraktur angezeigt wurden.
Ich rief meine Bekannte an und fragte sicherheitshalber nach, ob das Absicht sei – war es natürlich nicht und sie fiel aus allen Wolken. Zur Kontrolle öffnete ich das Dokument auch in den anderen Programmen, die DOC-Dateien verarbeiten können.
Textedit öffnete die Datei ohne zu murren, der Text wurde anstandslos und ohne Fraktur-Einschübe angezeigt. Mellel öffnete die Datei ebenfalls und zeigte ebenfalls keine Fraktur, verteilte dafür aber einige Textkästen eher freihändig auf den Seiten. Pages schließlich machte das, was alle Design- und Layoutprogramme tun – es überprüft vor dem Öffnen die im Dokumente benutzten Schriften. Und siehe da – das Original-Dokument (also die Word-Datei, die ich per E-Mail bekommen hatte) benutzte eine Schrift, die auf meinem Mac nicht installiert war.
Was also war geschehen? Alle vier Programme standen vor dem Problem, ein Dokument anzeigen zu müssen, das sie gar nicht korrekt anzeigen konnten. Die Lösungen, die die Programme wählten, unterschieden sich allerdings.
Pages verhielt sich als einzige Programm korrekt und warnte vor dem fehlenden Font. Nach einem Klick auf OK wurde der Font durch eine andere Schrift ersetzt, damit das Dokument angezeigt werden konnte.
Textedit und Mellel erkannten zwar, dass ein Font fehlte, informierte mich darüber aber nicht, sondern ersetzten ihn einfach stillschweigend durch den Font, in dem der Rest des Dokuments formatiert war.
Neo Office wurde kreativ. Auch hier wurde der fehlende Font stillschweigend ersetzt. Allerdings griff das Programm dazu aus mir völlig unerfindlichen Gründen zu einer besonders abwegigen Schrift – eben der erwähnten Fraktur.
Diese kleine Erfahrung brachte mich auf die Idee, mich dem Thema „Dokumentenaustausch per E-Mail“ einmal in Form einer lockeren Serie etwas genauer zu widmen.
Beim nächsten Mal schauen wir uns einmal etwas genauer die Tücken des scheinbar einfachen Weiterleitens von Word-Dokumenten an, um uns dann der Lösung dieses Problems zu widmen (das, soviel sei jetzt schon verraten, fast immer auf den Namen PDF hört).
Doch das hat Zeit bis nächste Woche. Für dieses Mal bleibt mir nur, Ihnen ein schönes Wochenende und einen ruhigen dritten Advent zu wünschen.
