Normen für tote Pixel
Vor kurzem tauchte auf meinem Display ein unschöner winzig kleiner Fleck auf. Zuerst dachte ich, es handele sich um ein Staubkörnchen, aber der Fleck ließ sich leider nicht mit einem Tuch wegwedeln und blieb beharrlich an seiner Stelle. Doch ich hatte Glück: Er erwies sich als Überbleibsel eines Programmfensters, das beim Schließen nicht komplett gelöscht wurde. Nach einem Neustart war der störende Punkt verschwunden.
Als mein Bekannter vor ein paar Tagen also einen ähnlichen Punkt auf seinem nagelneuen Display entdeckte, da dachten wir noch, es handele sich auch in diesem Fall um ein Artefakt, das irgendein fehlerhaftes Programm auf dem Desktop hinterlassen hatte.
Doch dieses Mal verschwand der Punkt leider nicht vom Monitor, sondern blieb erhalten, dieses Mal handelte es sich um ein “totes Pixel” (genauer: um ein totes Subpixel).
Was ist ein “totes Pixel”?
Damit auf einem Display ein Punkt aufleuchten kann, benötigt man auf der Rückseite des Bildschirms eine entsprechende Lichtquelle, für einen farbigen Punkt sogar drei in den Farben Rot, Grün und Blau. Je nach gewünschter Farbe leuchten diese drei Grundfarben unterschiedlich intensiv auf und mischen sich so zu einem Punkt in einem bestimmten Farbton. Ein solcher Bildpunkt heißt “Pixel”.
Ein modernes Display mit eine Auflösung von 1280 x 1240 Bildpunkten besitzt also mehr als 1,3 Millionen solcher Pixel, wobei jedes Pixel noch in drei so genannte “Subpixel” für die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau unterteilt ist. Insgesamt drängen sich auf der Bildschirmfläche also rund vier Millionen Lichtquellen.
Wenn nun eine dieser unzähligen Lichtquellen durch einen technischen Fehler gestört ist und zum Beispiel nicht mehr angesteuert werden kann, spricht man hier umgangssprachlich von einem “toten Pixel”. Aber das geht auch etwas genauer, denn dafür gibt es seit Frühjahr 2001 eine ISO-Norm.
Tote Pixel nach ISO 13406-2
Wie es sich für eine ISO-Norm gehört, werden die möglichen Fehler hübsch ordentlich klassifiziert. Dabei werden drei Fehlertypen und zwei Fehlercluster unterschieden:
- Fehlertyp I: Ein Pixel leuchtet dauerhaft auf oder blinkt. Man sieht also an dieser Stelle immer einen weißen, unter Umständen blinkenden, Punkt.
- Fehlertyp II: Ein Pixel leuchtet nicht auf, es bleibt also in hellen Flächen immer ein schwarzer Punkt sichtbar.
- Fehlertyp III: Ein oder zwei Subpixel leuchten oder blinken kontinuierlich. So ergibt sich ein farbiger Punkt. (Dieser Fehler taucht am häufigsten auf.)
- Fehlercluster I+II: In einem Feld von fünf mal fünf Pixeln treten mehrere Fehler vom Typ I und II auf.
- Fehlercluster III: In einem Feld von fünf mal fünf Pixeln treten mehrere Fehler vom Typ III auf.
Für jeden Fehlertyp definiert die ISO-Norm in Abhängigkeit der defekten Pixel pro einer Million Pixel vier verschiedene Klassen. Dabei bedeutet Klasse I, dass der Fehler überhaupt nicht auftritt, bei Klasse IV treten je nach Fehlertyp mindestens 50, 150 oder 500 Fehler auf.
Wenn ein Bildschirm mit 1280 x 1024 Bildpunkten also fünf Pixelfehler vom Typ III aufweist, dann kommen auf rund eine Million Pixel fünf Fehler und das Display wäre nach ISO als Fehlertyp III, Klasse II einzuordnen.
Unvermeidbar oder Umtausch?
Für den Kunden sind diese Normierungen natürlich nicht so interessant, um so wichtiger werden sie allerdings für die Hersteller. Die nämlich argumentieren, dass Pixelfehler bei einem so komplizierten Produkt wie einem Display nie zu 100 Prozent auzuschließen sind und räumen sich selbst eine gewisse Fertigungstoleranz ein, die man als Kunde hinnehmen muss.
Als Grenze zwischen “das muss der Kunde akzeptieren” und “das ist ein Produktfehler und wird umgetauscht” orientiert man sich üblicherweise an der Fehlerklasse II.
Allerdings hängt es hier vom Hersteller, Händler und nicht zuletzt auch von der Interpretation der Norm ab, ab welcher Fehlerzahl und bei welchen Fehlertypen umgetauscht wird. Als Faustregel kann gelten, dass man ab fünf eindeutigen Pixelfehlern gute Chancen für einen Umtausch hat.
Übrigens: Wenn Sie die ISO Norm (die sehr viel mehr umfasst als nur die Klassifizierung von Pixelfehlern) einmal nachlesen möchten, können Sie das hier tun. NEC-Mitsubishi hat sie vorbildlich aufbereitet.
