Nichts neues bei T-Mobile
Am Montag gab T-Mobile seine neue Tarifstruktur bekannt und läutete damit nach eigenen Worten eine “Preisoffensive” ein, mit der man der wachsenden Konkurrenz auf dem Mobilfunkmarkt deutlich Paroli bieten will.
“T-Mobile senkt Handy-Tarife”, meldeten denn auch die Zeitungen. “T-Mobile will mit neuen Preisen locken”, analysierte das Handelsblatt und das Manager-Magazin sah den Konzern gar “Auf Aldis Spuren”. Mit den neuen Strukturen wolle man das “Teuerimage” von Handy & Co. bekämpfen, gab der Konzern bekannt und das erklärte Ziel sei es, den Minutenpreis für Handy-Gespräche auf unter 10 Cent drücken.
Das klingt ersteinmal gut und als Handytelefonierer höre ich dergleichen natürlich mit Interesse – doch ob es für T-Mobile wirklich ratsam ist, den Preiskampf im Mobilfunkmarkt weiter anzuheizen, scheint fraglich.
Schließlich hat der Konzern, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, ein desaströses erstes Halbjahr hinter sich und ist von drastischen Gewinneinbußen und Kundenschwund gebeutelt. Wenn einem Manager in einer solchen Situation nichts anderes einfällt, als an der Preisschraube zu drehen, dann drängt sich einem da das Bild eines Feuerwehrmannes auf, der einen Zimmerbrand bekämpft, indem er den Rest des Hauses gleich selbst anzündet.
Wenig überraschend scheint es da, dass die Aktienkurse nach der Pressekonferenz und der Vorstellung der neuen Tarife ersteinmal nachgaben. Offensichtlich traut die Börse weder der etwas einfallslosen Strategie noch den optimistischen Prognosen von T-Mobiles Deutschland-Chef Philipp Humm, der fest davon überzeugt ist, dass die neuen Tarife für eine verstärkte Handynutzung und damit steigende Gewinne sorgen werden.
Ein Blick auf die neuen Tarife lässt die Skepsis nur noch weiter wachsen, hat T-Mobile doch die Gelegenheit versäumt, zusammen mit der Preissenkung auch einmal kräftig auszumisten. Nach wie vor herrscht hier ein verwirrender Tarifdschungel aus Klauseln und Konditionen, der neue Kunden eher abschreckt als anzieht.
Während die Billig-Konkurrenz von Simyo & Co. (denen T-Mobile die Schuld am schlechten wirtschaftlichen Abschneiden zuweist) nicht nur auf günstige, sondern vor allem überschaubare Tarife setzt, schnürt T-Mobile wie eh und je obskure Bündel aus Bedingungen, Preisen, Mindestlaufzeiten und Fristen, die man als potentieller Kunde ersteinmal genau studieren muss. Denn schließlich bindet man sich an einen Tarif – nun, vielleicht nicht gleich für’s Leben, aber doch für mindestens zwei Jahre. Das ist in der Mobilfunkbranche eine mittlere Ewigkeit und eine Entscheidung will da gut überlegt sein.
Nach wie vor scheint man nicht verstanden zu haben, dass es nicht genügt, sich hippe Produktnamen wie “web ‘n’ walk” oder “Xtra smart” auszudenken, wenn das damit bezeichnete Produkt sich als sperrig, kompliziert und schwer verständlich erweist.
Auf die sich verschärfende Marktsituation reagiert T-Mobile im Grunde nur mit Preissenkungen und macht ansonsten einfach so weiter wie bisher.
Ob das wirklich reicht, um die Talfahrt des Konzerns zu stoppen?
