Nichts ist, wie es scheint

Freitag, 18. April 2008, 6.16 Uhr | Giesbert Damaschke

Die Seifenblase ist geplatzt: Das Unternehmen Psystar Corporation, das vor ein paar Tagen aus dem Nichts auftauchte und Mac-Clones verkaufte, existiert nicht bzw. ist nicht mehr als eine Briefkastenfirma. Dass es mit Psystar nicht weit her sein konnte, wusste man spätestens, seit dem Charles Arthur vom britischen Guardian versucht, Kontakt zu der Firma aufzunehmen und damit keinen Erfolg hatte. Jetzt sind US-Blogger von Gizmodo kurzerhand bei den auf der Webseite von Psystar genannten Adresse vorbeigefahren und haben Fotos von den angeblichen Geschäftsräumen gemacht: Es handelt sich um normale Wohnhäuser, von einer Computerfirma weit und breit keine Spur.

Das ganze ist also ein Hoax, ein Witz. Da haben es zwei Leute geschafft, die Mac-interessierte Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen. Ob das tatsächlich intendiert war oder ob die beiden wirklich glaubten, sie könnten mit ihren Mac-Clones ein paar Dollar verdienen, spielt unterm Strich eigentlich keine Rolle. Überraschend an dem ganzen Coup ist letztlich nur, dass er überhaupt funktioniert hat.

Der Fall Psystar zeigt, wie leicht es ist, im Internet einen seriös wirkenden Webauftritt einer scheinbar seriösen Firma aufzuziehen und wie leicht selbst kritische Zeitgenossen darauf hereinfallen. Offensichtlich genügt es, den richtigen Knopf zu drücken (hier: “Macs sind zu teuer, wir liefern sie viel billiger”), um sofort ins Gespräch zu kommen, in dessen Verlauf vorerst niemand auf die Idee kommt, zuerst einmal etwas genauer hinzusehen, bevor man sich zu Statements und Interpretationen hinreißen lässt.

Und die Moral von der Geschicht’? Traue keiner Website nicht. Wenn Ihnen also einmal ein besonders irritierendes Angebot unterkommt, schauen Sie lieber dreimal hin, bevor Sie zugreifen.