Neues vom Browser-War

Montag, 10. Dezember 2007, 15.59 Uhr | Giesbert Damaschke

Im Kampf um die Browser-Marktanteile darf man nicht zimperlich sein. Da genügt es nicht, einfach nur ein gutes Programm oder die vielleicht sogar bessere Technik zu haben, man muss auch die psychologischen Tricks und Finessen beherrschen und das Publikum da packen, wo es am leichtesten zu greifen ist: bei seinen Sorgen und Ängsten.

Nehmen wir zum Beispiel den schon seit längerer Zeit andauernden Kampf zwischen dem Internet Explorer und Firefox.

Erfolg macht sorglos

Der IE hatte einer cleveren Politik der proprietären Abhängigkeiten einen Marktanteil von gut 95 Prozent erobert und Microsoft ruhte sich auf den Lorbeeren aus. Doch der Erfolg machte auch satt und selbstzufrieden. Jahrelang ignorierte man den wachsenden Unmut der Anwender über das mählich veraltende und zunehmend zu einem Sicherheitsrisiko werdende Programm. Man war mit dem IE 6 Marktführer, was sollte einem da schon groß passieren?

Als mit Firefox ein schlanker, moderner und kostenlose Browser auf der Bühne erschien, zuckte man in Redmond wohl einfach mit den Achseln und ging vermutlich davon aus, dass dieser Browser nie über zwei, drei Prozent hinaus kommen würde.

Es kam bekanntlich anders. Firefox wurde in kürzester Zeit ganz erstaunlich populär und zum stärksten Konkurrenten des Internet Explorers. Nicht nur aus eigener Kraft, sondern auch, weil der Internet Explorer im direkten Vergleich so sehr viel schlechter und unsicherer war.

Dann berappelte sich Microsoft und ging zum Angriff über. Der Internet Explorer 7 sollte zeigen, wer Herr im Browser-Haus ist. Und in der Tat ist der IE 7 ein moderner und guter Browser, der zwar kaum mit Neuerungen oder eigenen Ideen aufwartet, aber das kann einem als Anwender eigentlich egal sein. Der IE 7 hat den Anschluss an die moderne Browser-Entwicklung geschafft, liegt mit Firefox und Opera ungefähr gleich auf und hat den inzwischen eher berüchtigten IE 6 Geschichte werden lassen.

Dumm nur, dass die Marktanteile von Firefox nach wie vor steigen und der Internet Explorer nach wie vor Anteile verliert.

Die psychologische Kriegsführung

Es wurde Zeit für die psychologische Kriegsführung. Und schon überrascht ein Microsoft Sicherheits-Experte mit einer neuen Studie. Danach soll der Internet Explorer sehr viel sicherer sein als der Konkurrent Firefox. Als Beleg für diese doch eher steile Behauptung präsentiert man allerlei Zahlen und Auswertungen, hält dafür aber mit der Methodik der Studie deutlich hinterm Berg.

Die Kritik ließ natürlich nicht auf sich warten. So hat man sich bei Heise Security nicht mit der bloßen Statistik zufrieden gegeben, nachgefragt – und stieß prompt auf Beispiele für eine eher, nun, sagen wir mal skurrile Zählweise, mit der die gesamte Untersuchung samt Ergebnis hinfällig wird.

Mein Lieblingstrick von Microsoft betrifft die so genannte URI-Lücke, die von Microsoft Mitte November gefixt wurde. Dabei handelt es sich um einen kritischen Windows-Fehler, der allerdings erst nach der Installation des IE 7 auftauchte. Der Fehler zog verschiedene Programme in Mitleidenschaft, darunter auch andere Browser wie Firefox.

Dieser Fehler wurde zwar durch den IE 7 ausgelöst, hängt aber ursächlich mit einer fehlerhaften Systemdatei zusammen. Konsequenterweise wurde er weder beim IE 7 noch bei Firefox als Fehler des Browsers gewertet.

So weit so gut.

Doch da sich Firefox gegen diese, vom IE 7 verursachte Sicherheitslücke in Windows schützen musste, wurde ein Sicherheitsupdate für Firefox notwendig. Und dieses vom IE 7 erzwungene Sicherheitsupdate wurde als Beleg dafür verbucht, dass Firefox unsicherer sei als der IE 7.

Anders gesagt: Weil der IE 7 die Sicherheit des gesamten Systems kompromittiert, ist Firefox unsicherer als der Internet Explorer. Die Logik hinter dieser Behauptung versteht man wohl nur als Microsoft-Manager.