Mozillas Millionen

Mittwoch, 28. November 2007, 18.46 Uhr | Giesbert Damaschke

Angefangen hat alles 1993 mit dem Browser NCSA Mosaic. Dieser an der Universität von Illinois entwickelte Webbrowser war erstmals in der Lage, Text und Grafik zusammen auf einer Seite anzuzeigen. Eine Fähigkeit, die ihn rasch zum beliebtesten Browser im Internet machte. Einer der führenden Mosaic-Entwickler war Marc Andreessen, der 1995 die Firma Netscape gründete, um eine weiterentwickelte Form des Mosaic-Browsers kommerziell zu vermarkten.

Die Mozilla-Story

Der Netscape-Browser, der intern unter dem Spitznamen Mozilla – einer Kombination von Mosaic und Godzilla – firmierte, wurde innerhalb kurzer Zeit mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent zum unangefochtenen Marktführer im Internet.

Dann kam Microsoft und mischte den Markt kräftig auf. Netscape verlor zunehmend Marktanteile an den Internet Explorer und wurde 1998 von AOL aufgekauft. Kurz vorher hatte man allerdings noch rasch den Browser als Open Source veröffentlicht und die zur Verkaufsmasse gehörende Mozilla Organization zur Verwaltung des Projekts gegründet.

Im Jahr 2003 wurde die Mozilla Organization von AOL mit zwei Millionen US-Dollar ausgestattet und als unabhängige und gemeinnützige Mozilla Foundation aus dem Gesamtkonzern ausgegliedert.

Die Mozilla Foundation betreut verschiedene Projekte, konzentriert sich aber auf die Entwicklung des Browsers Firefox, mit dem man gewissermaßen den Versuch unternimmt, das Internet zurückzuerobern. Da die Stiftung als gemeinnütziges Unternehmen keine Gewinne erzielen darf, gründete man im August 2005 die kommerzielle Tochterfirma Mozilla Corporation.

Wie man mit Verschenken von Software Geld verdient

Nun fragen Sie sich vielleicht, wie man da überhaupt Geld verdient, schließlich sind alle Mozilla-Produkte wie etwa Firefox und Thunderbird Open-Source-Programme, die kostenlos abgegeben werden.

Nun, ganz einfach: Mozilla finanziert sich über Werbeeinnahmen. Jeder Firefox-Nutzer sucht standardmäßig mit Google, für jede so vermittelte Suchanfragen zahlt Google einen Obolus an Mozilla.

Und das läppert sich ganz gewaltig. Im aktuellen Geschäftsbericht tauchen die Google-Zahlungen lapidar als Suche-Tantiemen (“Royalties – search”) auf, die im Jahr 2005 über 50 Millionen und im Jahr 2006 mehr als 61 Millionen US-Dollar in die Kassen des Unternehmens gespült haben.

Angesichts dieser Summen wird in der Gemeinschaft Unmut laut. Mozilla, so der Vorwurf, bereichere sich auf Kosten der Allgemeinheit, die die Entwicklung des Browsers mit Bug-Reports, Beta-Tests und Vorschlägen vorantreibe.

Doch davon kann wohl kaum die Rede sein, im Gegenteil. Die Gehälter, die Mozilla an seine Handvoll festangestellten Entwicklern, Juristen und Sachverständige bezahlt, sind sehr moderat. Und je mehr Millionen Mozilla anhäuft, desto mehr Geld steht unterm Strich für die Weiterentwicklung des Browsers und für schwere Zeiten bereit.

Denn auch wenn Mozilla derzeit dank Google gut verdient, sollte man doch eines nicht vergessen: sobald der Suchgigant seine Konditionen ändert oder gar auf die Idee kommt, einen eigenen Browser auf den Markt zu bringen, ist es mit dem Geldregen vorbei.

Spätestens dann werden die Kritiker merken, dass auch ein gemeinnütziges Unternehmen gut beraten ist, Rücklagen zu bilden.