Microsofts Milliardendeal
Wenn man die Bedeutung eines Konkurrenten für ein Unternehmen daran festmacht, wieviel das Unternehmen investiert, um gegen diesen Konkurrenten anzutreten, dann scheint es für Microsoft derzeit nur einen echten Gegner zu geben – nein, nicht Apple und auch nicht die Open-Source-Szene rund um Linux. Sondern: Google.Auf diese Idee kann man jedenfalls angesichts der jüngsten Nachricht aus Redmond kommen. Dort nämlich hat man soeben für sage und schreibe sechs Milliarden US-Dollar (rund 4,5 Milliarden Euro) die Anzeigenfirma aQuantive gekauft. Das ist etwa doppelt so viel, wie Google im April für den Kauf des Anzeigennetzwerks Doubleclick bezahlt hat.
Bei der Bieterschlacht um Doubleclick hatte Google die Mitbieter Yahoo und Microsoft noch mit einem Angebot über 3,1 Milliarden US-Dollar vom Feld geschlagen, dieses Mal wollte Microsoft offensichtlich nichts anbrennen lassen und zahlt für aQuantive einen Preis, der gut 85 Prozent über dem Aktienwert des Unternehmens liegt (bzw. lag, denn nach Bekanntgabe der Übernahme schoss der Aktienkurs fast auf Microsofts Preisniveau).
AQuantive ist weltweit eines der führenden Unternehmen in Sachen Online-Werbung. Es wurde 1997 gegründet, hat seinen Sitz vor Microsofts Haustür in Seattle, beschäftigt weltweit 2600 Mitarbeiter und meldete kürzlich einen Quartalsgewinn von gut 140 Millionen US-Dollar. Falls das Unternehmen also auf dem Niveau bleibt, müsste Microsoft gut zehn Jahre warten, um seine Investition wieder eingenommen zu haben – aber so wird bei diesem Deal, natürlich, nicht gerechnet. Microsoft muss sich von dem Kauf also deutlich mehr versprechen.
Für Microsoft ist der Zukauf Teil einer umfassenden, sehr langfristigen Strategie. So wird Microsoft-Chef Steve Ballmer mit der Aussage zitiert, der Kauf sei “der nächste Schritt bei der Entwicklung des Werbenetzwerks von Microsoft”: Microsoft investiert nicht nur in einen derzeit mit unglaublichem Tempo wachsenden Markt, der deutlich höhere Quartalsgewinne als 142 Millionen US-Doller verspricht, sondern man verschafft dem Konzern außerdem ein weiteres Standbein. Gleichzeitig arbeitet man der Strategie, Desktop-Applikationen ins Web zu verlagern (aber darüber später einmal mehr).
Dass man mit Anzeigenverkauf im Internet deutlich mehr als 142 Millionen US-Dollar im Quartal einfahren kann, beweist Google. Der Konzern finanziert sich in der ein oder anderen Form fast ausschließlich über Anzeigen und meldete im ersten Quartal rund zwei Milliarden US-Dollar Gewinn. Kein Wunder, dass nicht nur Microsoft reges Interesse an diesem Markt zeigt.
