Microsoft wird virtuell
Eines der ganz großen Themen der IT-Zukunft heißt »Virtualisierung«. AMD und Intel rüsten ihre CPUs mit entsprechenden Funktionen auf, Websites laufen auf virtuellen Hosts, ganze Serverfarmen existieren als virtuelle Maschinen und Entwickler und Tester freuen sich über den geschrumpften Rechnerpark in ihren Büros. Wo früher ein, zwei, viele Computer physikalisch vorhanden sein mussten, genügt heute ein leistungsfähiger Rechner und eine Virtualisierungslösung wie etwa Virtual PC, VM Ware oder Parallels, um die unterschiedlichsten Computer-Konfigurationen und -Kombinationen zu testen.
Dabei schont Virtualisierung nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Virtuelle Hardware muss schließlich weder produziert noch entsorgt werden.
Eigentlich, so sollte man meinen, kann heute kein modernes IT-Unternehmen an dieser Entwicklung vorbei. Doch es gibt Ausnahmen. Microsoft zum Beispiel. Für den Einsatz von Vista auf virtueller Hardware hatte man in Redmond sehr strenge Regeln ersonnen, die ausgerechnet die Installation der Standard-Vista-Version Vista Home in virtueller Umgebung untersagten.
Diese unverständliche Lizenzbestimmung sorgte bei Entwicklern und Fachleuten für Kopfschütteln und Verägergerung und man sah in ihr, wohl nicht ganz zu unrecht, den Versuch Microsofts, bei der Virtualisierung kräftig abzukassieren. Denn das Verbot galt nur für die Home-Version – die deutlich teureren Business- oder Ultimate-Versionen durften dagegen virtuell installiert werden.
Doch eines muss man dem Konzern aus Redmond ja lassen. Wenn man bemerkt, dass man eine Entwicklung nicht stoppen oder verhindern kann, dann ändert man die Strategie und erklärt sich kurzerhand zu ihrem Vorreiter: Wo wir sind, ist vorn!
Und so überrascht es nicht, dass Microsoft in letzter Zeit verstärkt im Virtualisierungsmarkt besondere Aktivitäten entfaltet. Jüngste Ausbeute: Calista Technologies, eine Firma, die sich mit der Virtualisierung von 3D- und Multimedia-Funktionen beschäftigt.
Doch man kauft nicht nur in großem Stil ein, kündigt Kooperationen an und werkelt an firmenweiten Virtualisierungslösungen, sondern hat jetzt auch endlich das alberne Virtual-Home-Verbot aufgehoben. In Zukunft darf man jedes Vista auch auf einer virtuellen Maschine installieren.
Na also. Warum nicht gleich so?
