Microsoft wird ungeduldig

Mittwoch, 9. April 2008, 16.43 Uhr | Giesbert Damaschke

Anfang Februar sorgte eine Meldung für ziemlichen Wirbel in der IT-Szene und auf den Wirtschaftsseiten der Zeitungen. Microsoft machte Yahoo ein erstaunliches Angebot. Für 44,6 Milliarden Dollar wollte der Riese aus Redmond den einstigen Suchmaschinen-Primus Yahoo seinem Imperium einverleiben, um so endlich einmal ernsthaft gegen Google antreten zu können.

Anders als man vielleicht gedacht hat, schlug man bei Yahoo nicht sofort begeistert ein (immerhin lag der Übernahmepreis 60 Prozent über dem seinerzeitigen Aktienkurs), sondern zögert und zierte sich.

Das wiederum gefiel Microsoft nicht und so legt man ein paar Tage später nach. Auf einer Veranstaltung vor Analysten und Investoren beschwor Steve Ballmer die Notwendigkeit der Fusion von Microsoft und Yahoo und auch der Microsoft-Manager Yusuf Mehdi betonte in Interviews, wie wichtig der Deal für Microsoft sei.

Die unterschwellige Botschaft an die Yahoo-Geschäftsleitung war eindeutig: Entweder man willigte in das Kaufangebot ein, oder Microsoft würde eine feindliche Übernahme vorbereiten.

Nun hat man in Redmond wohl endgültig die Geduld verloren. Man verzichtet auf Andeutungen und Zwischentöne und redet Tacheles. In einem offenen Brief fordert Microsoft-Chef Steve Ballmer Yahoo jetzt unmissverständlich auf, sich zu dem Angebot eindeutig zu äußern. Sollten die Verhandlungen nicht endlich in die Gänge kommen, dann, so Ballmer, habe Microsoft keine andere Chance, als sich direkt an die Yahoo-Aktionäre zu wenden und so Yahoo auch gegen den Willen der Geschäftsleitung aufzukaufen.

Nun bleibt abzuwarten, wie Yahoo auf diese doch etwas brüsken Schritt reagieren wird. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters (so meldet Horizont) soll man bei Yahoo inzwischen nicht mehr gar so uninteressiert an Microsofts Angebot sein.

P. S. – Yahoos Antwort

Kaum hatte ich dieses Editorial geschrieben, kam Yahoos Antwort auf Ballmers öffentlichen Brief. Und zwar, wen wundert’s, ebenfalls als öffentlicher Brief. Kurzfassung: Yahoo hält Microsofts Angebot für zu niedrig (und zeigt sich ansonsten etwas gereizt über Steve Ballmers Vorgehen).