Microsoft mischt mit
Die Zeiten, die unter dem Motto „My PC is my Castle“ standen, nähern sich ihrem Ende, die Grenzen zwischen Desktop und Netzwerk werden immer durchlässiger, viele Applikationen wie etwa typische Office-Programme, die bislang nur lokal installiert werden konnten, wandern ins Internet und stehen damit potentiell auf jedem vernetzten Computer zur Verfügung.
Daten, Mails und Dokumente aller Art, die bislang an ein bestimmtes Gerät gebunden waren (also zum Beispiel nur auf der Festplatte des privaten PCs zur Verfügung stand, nicht aber im Büro) werden in Zukunft immer und überall verfügbar und im Prinzip mit jedem Gerät zu bearbeiten sein. In Zukunft werden Daten und Programme idealiter völlig plattformunabhängig vorliegen und niemand muss sich mehr Gedanken über Formate und Besonderheiten machen, sondern arbeitet an seinen Dokumenten wann immer er mag und wo immer er mag.
Ermöglicht wird die Realisation dieser Idee vor allem durch zwei Dinge: das Internet und die wachsende Leistungsfähigkeit mobiler Hardware. Dokumente und Applikationen befinden sich nicht mehr auf einem lokalen Computer, sondern einem Server und alle unterschiedlichen digitalen Werkzeuge – Handy, Smartphone, Notebook, Desktop – sind untereinander vernetzt, so dass Daten nahezu beliebig hin und her geschoben werden können. Dabei werden die Daten werden natürlich auch synchron gehalten. Ändern Sie ein Dokument via Smartphone, wird auch die Version auf dem Notebook angepasst, löschen Sie eine Mail auf dem Desktop, verschwindet sie auch vom Handy.
Diese hier grob skizzierte aktuelle Entwicklung stellt für ein Unternehmen wie Microsoft ein Problem dar, basiert doch das gesamte Unternehmen letztlich darauf, dass Software lokal auf einem bestimmten Computer installiert und mit eigenen Formaten arbeitet, die einen reibungslosen Datenaustausch nicht gerade erleichtert. Noch vor wenigen Monaten, so stellt der Heise-Newsticker fest, hat Bill Gates den „PC zum Zentrum für das digitale Zuhause und die digitale Büroarbeit erklärt“. Inzwischen erkennt man auch in Redmond, dass sich das Internet anschickt, die Rolle des PCs zu übernehmen.
Jüngstes Beispiel: Live Mesh. Das Wort „mesh“ hat viele Bedeutungen, im Computer-Kontext meint es „Netz“ oder „Netzwerk“ bzw., wie es im schönsten IT-Deutsch heißt, „vermaschtes Netz“. In einem solchen Netz ist im Idealfall alles mit allem verbunden, jeder Netzteilnehmer ist direkt mit jedem anderen verknüpft. In der Praxis (also etwa im Internet) werden mehrere Systeme zu einem Knoten gebündelt und diese Knoten untereinander vernetzt.
Microsofts Live Mesh ist derzeit in der Beta-Phase und soll die grenzenlose Verfügbarkeit aller Daten auf allen Endgeräten des Anwenders ermöglichen. Derzeit gibt es den benötigten Live-Mesh-Client nur für Windows Vista, was den ganzen Ansatz ein wenig ad absurdum führt. Aber keine Sorge, Versionen für Smartphones und Mac OS X sind in Vorbereitung. Ob es Live Mesh allerdings jemals für Linux geben wird, scheint mir zweifelhaft. Aber warten wir’s ab, manchmal überrascht einen Microsoft ja doch.
