Microsoft letztes Aufgebot

Montag, 4. Februar 2008, 6.50 Uhr | Giesbert Damaschke

Am Wochenende dominierte eine Meldung die Wirtschaftsseiten der Zeitungen und sorgte für großen Wirbel auf den Newsseiten im Netz und in den Blogs: Microsoft will Yahoo für 44,6 Milliarden US-Dollar kaufen.

Diese Nachricht ist nicht nur wegen der immensen Summe mehr als nur bemerkenswert. Sollte die Übernahme wie von Microsoft geplant verlaufen (was so sicher zwar noch nicht ist, aber doch wahrscheinlich), dann wüchse da etwas zusammen, was nur auf den ersten Blick zusammengehört.

Nur wer auf die reine Funktionalität von Microsofts und Yahoos Internet-Angeboten schaut und alles ausblendet, was man unter dem Stichwort “Firmenkultur” subsumieren könnte, wird auf die Idee kommen, dass es sich bei dem Deal um eine Liebesheirat handeln könnte, bei der sich zwei Partner gefunden haben, die für einander bestimmt scheinen und sich perfekt ergänzen.

Denn nichts könnte falscher sein. Zwar ähnelt sich das Portfolio der beiden Unternehmen, zwar bieten sie vergleichbare Dienstleistungen an und man könnte auf die Idee kommen, sie kämen mit vereinten Kräften weiter denn als Einzelunternehmen.

Doch das täuscht. Die Ähnlichkeiten zwischen den Angeboten erlaubt keinen Rückschlüsse auf ähnliche Denk- und Firmenstrukturen. Die Web-Angebote der beiden Unternehmen ähneln sich nicht, weil sie sich die beiden Unternehmen so ähnlich wären, sondern weil Microsoft seit Jahren erfolglos versucht, die Produkte anderer, erfolgreicherer Internet-Unternehmen zu kopieren. Nichts von dem, was Microsoft im Internet anbietet, beruht auf einer genuinen Idee der Manager in Redmond, das gesamte Angebot ist durch die Bank entweder kopiert oder nach einem nicht ganz durchsichtigem Plan zusammengekauft worden.

Und nicht nur das. Zwischen Yahoo und Microsoft liegen Welten. Yahoo ist ein Unternehmen, das aus dem Netz kommt, Microsoft versucht seit Jahren, das Netz von außen zu erobern. Yahoo hat im Netz einen zwar angeschlagenen, aber alles in allem noch guten Ruf, Microsoft ist für die Netizens die Verkörperung des Bösen. Yahoos Server laufen mit offener Software, Microsoft setzt auf die hauseigene proprietäre Windows-Lösung.

Mit der bloßen Übernahme ist es nicht getan. Wenn Microsoft die Yahoo-Dienst integrieren will, steht den Programmierern in Redmond eine schier unlösbare Aufgabe ins Haus. Wie lang und zäh die Migration auf eine Windows-Lösung sein kann, hat die Übernahme von Hotmail gezeigt, bei der man aus den technischen Schwierigkeiten und Pannen schier nicht mehr herauszufinden schien.

Unter diesem Blickwinkel wirkt Microsofts Angebot wie der letzte Versuch, sich endlich mit Google messen zu können. Microsoft bietet für Yahoo mehr als den dreifachen Jahresgewinn (2007 meldete Microsoft einen Gewinn von gut 14 Milliarden US-Dollar) –: da wirkt das Übernahme-Angebot schon etwas verzweifelt.

Was wie eine Demonstration (finanzieller) Stärke wirken soll, ist bereits die Kapitulation und das Eingeständnis, dass man anders gegen Google nicht glaubt ankommen zu können.