Meine Woche mit dem iPhone

Mittwoch, 2. April 2008, 6.11 Uhr | Giesbert Damaschke

Manchmal muss man sich ins Unvermeidliche schicken. Nachdem ich mich lange genug über die Geschäftspraktiken von Apple und T-Mobile geärgert habe, atmete ich einmal tief durch und kaufte doch. Nämlich ein iPhone mit 8 GB Speicher.

Das ist jetzt gut eine Woche her. In dieser Woche habe ich gelernt, dass das iPhone nicht nur ein großartiges Gerät ist – das wusste ich schon vorher –, sondern wie sehr die Möglichkeit, überall und jederzeit aufs Internet zugreifen zu können, den Alltag verändert.

Vielleicht wenden Sie jetzt ein, dass ich das schon längst hätte haben können, schließlich gibt es genügend Smartphones mit Internet-Zugang auf dem Markt. Das ist einerseits richtig, andererseits aber falsch.

Denn während die üblichen Smartphones nur eine sehr eingeschränkte Darstellung des World Wide Web bieten, wartet das iPhone mit der vom Desktop gewohnten Internet-Erfahrung auf.

Der Browser ist keine abgespeckte Version, kein “kleiner Bruder” oder Mini-Ausgabe eines “richtigen” Browsers und die aufgerufen Webseiten müssen nicht speziell für das iPhone entwickelt werden.

Von E-Bay über Sport1 bis zur Wikipedia oder den Google News: die Darstellung und Funktionalität der Webseiten auf dem iPhone unterscheidet sich praktisch nicht vom gewohnten Bild. Eine Einschränkung muss dabei allerdings gemacht werden: auf Flashanimationen, Quicktime oder Realmedia muss man verzichten. Aber das lässt sich problemlos verschmerzen.

Auch der immer wieder vorgebrachte Hauptkritikpunkt am iPhone – die fehlende UMTS-Unterstützung – wird in der Praxis hinfällig. Die Edge-Anbindung erweist sich im alltäglichen Einsatz als hinreichend schnell. Schlimmstenfalls muss man ein paar Sekunden warten, bis eine Seite aufgebaut ist, aber unterm Strich bleibt alles im grünen Bereich.

Verblüfft war ich, wie schnell ich mich an mein neues Spielzeug gewöhnt habe und wie schnell aus dem Spielzeug ein ganz selbstverständlicher, digitaler Begleiter wurde. Schon nach zwei oder drei Tagen gehörte es zum normalen Alltag, im Bus auf dem Weg ins Büro oder abends beim Bier in der Stammkneipe kurz einen Blick auf aktuelle E-Mails zu werfen, sich über die aktuelle Nachrichtenlage zu informieren, bei Sachfragen kurz die Wikipedia zu konsultieren, aktuelle Sportergebnisse abzurufen oder nach einem Filmtitel, der einem partout nicht einfallen will, in der IMDB zu recherchieren.

Natürlich kann man sich das ein oder andere am iPhone auch anders vorstellen, vielleicht sogar besser. Aber für eine Version 1.0 ist das iPhone ganz erstaunlich gelungen. Das ist für alle eine gute Nachricht, nicht nur für Apple-Fans, sondern auch für die Anwender, die auf Windows Mobile, Android oder Linux schwören. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Und das iPhone ist ein starker Herausforderer.