Meiden Sie Magenta
Können Sie sich bitte für einen Augenblick vorstellen, Ferrari sei es gelungen, die Farbe Rot als Markenzeichen eintragen zu lassen? Ja? Gut, dann gehen wir jetzt einen Schritt weiter und malen uns aus, was dann passieren könnte. Zum Beispiel könnte Ferrari allen anderen Autoherstellern verbieten, rote Autos zu bauen. Das ist Ihnen jetzt aber zu albern und wer käme denn auf so absurde Ideen? Tja. Sagen Sie das mal der Telekom.
Denn dem Konzern ist es 1995 gelungen, die Farbe Magenta als “konturloses Markenzeichen” eintragen zu lassen. Seither erspähen die Markenanwälte der Telekom immer wieder eine Gelegenheit, vermeintlichen Markenräubern und Trittbrettfahrern mit ihrer Markenrechtswumme ordentlich eins auf den Pelz zu brennen. Einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:
- Im Juli 2001 versuchte die Telekom, dem Autorendienstleister My Favourite Book den Einsatz von Magenta verbieten zu lassen. Es folgte ein zäher Hickhack, der erst im März 2002 durch ein Gerichtsurteil des LG Düsseldorf beendet wurde. Die Anmaßungen der Telekom wurden abgewiesen.
- Im Februar 2002 erhielt der Münchner Telekommunikationsanbieter StarCom eine Abmahnung, weil man ebenfalls Magenta benutzt hatte. StarCom widersprach, die Telekom konterte mit einer einstweiligen Verfügung. Die EV wurde im Juni 2002 vom LG Köln aufgehoben.
- Dass man in Rechtsdingen mitunter einen sehr langen Atem haben muss, zeigte sich im September 2003. Da entschied nämlich der BGH, dass MobilCom im Jahr 1999 nicht mit der Farbe Magenta hätte werben dürfen.
Jüngstes Beispiel ist das amerikanische Blog Engadget, bzw. dessen Ableger Engadet Mobile. Dort nämlich setzt man bei der farblichen Gestaltung auf die drei subtraktiven Grundfarben Cyan, Gelb und – Magenta. Das ficht die Telekom aber nicht an. Man schickt ein zweiseitiges Fax in die USA und forderte Engadget auf, die Farbgebung zu ändern, um Verwechslungen zu vermeiden. Bei Engagdet nimmt man die Sache noch sportlich, änderte den Namen zum 1. April prompt in EngadgeT-Mobile und macht sich ansonsten über das Schreiben aus Deutschland lustig.
Wie die Sache weitergeht, ist noch offen. Sicher ist jedenfalls eins: Unter PR-Aspekten war das Schreiben Engadget eher ein Fehlschlag. Die Reaktionen auf die Aktion sind eindeutig: allgemeines Kopfschütteln über die Anwälte der Telekom.
