Mal was lustiges …

Montag, 27. Februar 2006, 0.37 Uhr | Giesbert Damaschke

Heute herrscht nicht nur im Rheinland der karnevalistische Ausnahmezustand. Da kann und will auch ich von München aus kein Spielverderber sein und dem tollen Treiben mit einer eher lustigen Meldung Tribut zollen.Die Nachricht kommt aus Großbritannien zu uns herüber und es geht um die Schwierigkeiten, die man bei Behörden mit der Idee des so genannten “Copyleft” und freier Software wie Firefox, Linux oder Open Office hat.

In der Londoner Times erzählte Gervase Markham unter der Überschrift “Freie Software? Sie können sie nicht einfach verschenken” über seinen Mailwechsel mit einer Mitarbeiterin der Handelsaufsicht einer “großen Stadt im Norden”.

Markham ist einer von weltweit drei Mitarbeitern der Mozilla Foundation und unter anderem für die Lizenzierung von Firefox zuständig. In dieser Funktion erreichte ihn eine Anfrage der besagten Mitarbeiterin. Deren Behörde hatte nämlich festgestellt, dass Firefox-Kopien im Einzelhandel verkauft würden. Nun wollte man die Bestätigung, dass ein solcher Verkauf gegen die Lizenzpolitik von Firefox verstoße, damit man gegen die betroffenen Händler vorgehen könne.

Markham schrieb zurück, dass im Gegenteil alles in schönster Ordnung sei und man eventuell beschlagnahmte Datenträger doch bitte wieder freigeben solle. Firefox sei eine offene Software und dürfe frei verteilt werden. Auch der Verkauf von Datenträgern mit Firefox-Kopien sei kein Verstoß gegen die Lizenzbestimmungen der Mozilla Foundation: “It’s feature, not a bug”.

Außerdem erlaubte er sich noch den Witz, die freie Verteilungspolitik von Mozilla gehöre zum großen Welteroberungsplan des Unternehmens.

Mit dieser Erklärung stieß er jedoch auf erstauntes Unverständnis: “Ich kann nicht glauben”, so zitiert Markham die Mitarbeiterin, “dass Ihr Unternehmen es Leuten erlaubt, Geld mit etwas zu verdienen, was Sie selbst verschenken?”

Wenn das wirklich der Fall sein sollte, hieß es weiter, würde die Mozilla Foundation die Arbeit der Behörden deutlich erschweren und es unmöglich machen, für die Durchsetzung der britischen Anti-Piracy-Gesetzgebung zu sorgen.

Markham schrieb zurück, dass Firefox nicht die einzige Software sei, deren Lizenzbestimmungen die freie Kopie erlaube und sah sich schließlich mit der Aufforderung konfrontiert, sich zu authentifizieren. Schließlich habe man keinerlei Beweis dafür, dass er tatsächlich für die Mozilla Foundation arbeite.

Vermutlich, so Markham, habe sein Gegenüber etwas seltsame Vorstellungen davon, wie man einen elektronischen Briefwechsel fälschen könne. Vielleicht glaubte die Mitarbeiterin ja, er wäre in Wirklichkeit ein Gangster, der rasch in ein Internet-Café eingebrochen sei, dort einen Router geknackt habe und nun die Mails der Handelsaufsicht an die Adresse “licensing@mozilla.org” abfange.

Doch an diesem Punkt hatte Markham keine Lust mehr, den absurden Mailverkehr weiterzuführen. Allein die Tatsache, dass er in der Lage sei, unter der Mailadresse “licensing@mozilla.org” Mail zu empfangen und zu beantworten, sei Beweis genug für seine Identität.

Damit muss er wohl auch die Mitarbeiterin überzeugt haben, jedenfalls hörte er nichts mehr von ihr. Damit war der kuriose Zwischenfall zwar beendet, aber Markham kam doch ins Grübeln. Die Anekdote sei zwar amüsant, zeige aber auch, wie quer die Idee von Open Source und freier Software zum tradierten Modell von “Software als Besitz” stünde.

Er schließt seinen Bericht mit der Hoffnung, dass die Behörden in Zukunft etwas genauer hinschauten, bevor sie aktiv werden und dass die Verdächtigungen, die automatisch ins Spiel kommen, sobald Software kopiert wird, endlich einmal ein Ende finden.

Eine Hoffnung, der man sich eigentlich nur anschließen kann.

Die Wikipedia zum Thema “Copyleft”

Artikel von Gervase Markham in der “Times”