Mac-Clone oder Marketing?
Man muss ja nicht alles verstehen, aber manchmal grüble ich doch darüber nach, was in den Köpfen mancher Entscheidungsträger vorgeht. Nehmen wir zum Beispiel den Fall der Psystar Corporation, der derzeit in der IT-Welt für ein wenig Aufsehen sorgt.
Das Unternehmen hat nämlich PCs auf den Markt gebracht (oder hat dies doch vor), auf denen man Apples Betriebssystem Mac OS X installieren können soll. Die Geräte wurden ursprünglich als »OpenMac« angeboten, kurz danach in »OpenComputer«umbenannt und sollen in der Grundausstattung rund 400 US-Dollar kosten (und damit auf den ersten Blick deutlich weniger als ein Original-Mac von Apple).
Nun ist es zwar so, dass ein Mac-Computer im Prinzip aus den gleichen Standardkomponenten zusammengesetzt wird, wie jeder andere PC auch und es also mehr oder weniger problemlos möglich ist, einen Mac einfach nachzubauen. Außerdem bietet Apple Mac OS X einzeln zum Kauf an.
Kein Wunder, dass es in manchen Hackerkreisen zum guten Ton gehört, Mac OS X auf einem Standard-PC ohne Apple-Logo zum Laufen zu kriegen. Diese so genannte »Hackintosh«-Szene wird von Apple derzeit wohl einfach ignoriert, zumindest scheint man nicht dagegen vorzugehen.
Was spricht also dagegen, dass eine Firma wie Psystar hergeht und das macht, was die Hacker auch tun? Nun, ganz einfach: die Lizenzbestimmungen von Mac OS X. Die nämlich schreiben klipp und klar vor, dass die Software ausschließlich auf Originalhardware von Apple eingesetzt werden darf. So heißt es unmissverständlich in Abschnitt 2A des »Softwarelizenzvertrages für Mac OS X«:
Der Lizenzgeber erteilt Ihnen hiermit das Recht zur Installation und Benutzung einer (1) Kopie der Apple Software auf jeweils einem Apple Computer. Sie verpflichten sich, es zu unterlassen, die Apple Software auf einem Computer, der nicht von Apple stammt, zu installieren, verwenden oder auszuführen oder es Dritten zu gestatten, dies zu tun.
Wenn einzelne Hacker ihren Ehrgeiz darein setzen, Apple auszutricksen, um Mac OS X auch auf fremder Hardware zu installieren (was nicht so ganz trivial ist, denn natürlich hat Apple da einige Hürden und Hindernisse eingebaut), dann kann Apple diese Bemühungen noch mit eher sportlichem Interesse beobachten.
Das ändert sich natürlich, sobald ein Unternehmen wie Psystar einen Mac-Clone mit vorinstalliertem Mac OS X anbietet. Über diesen flagranten Verstoß gegen die Lizenzbestimmungen mit eindeutig kommerziellen Absichten kann Apple nicht einfach hinwegsehen, sondern muss aktiv werden.
Mit anderen Worten: Psystar muss von Anfang an klar gewesen sein, dass sie sich mit ihrem Angebot mit Apples Rechtsabteilung anlegen. Und das ist mit Sicherheit kein kleiner Gegner.
Nun mag es ja durchaus sein, dass die Lizenzbestimmungen für Mac OS X vor Gericht nicht zu halten sein werden – aber um diese Frage zu klären, muss man auch vor Gericht ziehen und bereit sein, den Prozess durch sämtliche Instanzen zu führen. Schließlich ist nicht zu erwarten, dass Apple einfach so klein beigibt. Ein solcher Musterprozess würde sehr lange dauern und erhebliche Ressourcen verschlingen.
Es darf bezweifelt werden, dass Psystar dazu überhaupt in der Lage ist. Schon die mit Sicherheit nicht freiwillig erfolgte Umbenennung von »OpenMac« in »OpenComputer« scheint eher ein Indiz dafür, dass man vielleicht nicht so ganz verstanden hat, auf was man sich da eingelassen hat. Wer ernsthaft glaubt, er könnte einen Computer als »Mac« bezeichnen, ohne umgehend Ärger mit den Markenrechtsanwälten von Apple zu bekommen, wäre schon ein wenig, nun, sagen wir: naiv.
Aber vielleicht ist alles auch ganz anders und das Angebot nie wirklich ernst gemeint, sondern immer nur eine Marketing-Aktion gewesen. Vielleicht hat man bei Psystar den juristischen Ärger gegen die kostenlose Werbung durch die Berichterstattung in der IT-Presse aufgewogen und kam zu dem Schluss, dass es sich lohnen könnte. Man muss sich schließlich etwas einfallen lassen, um auf einem völlig überfüllten Markt wahr genommen zu werden. Ohne die OpenMac-Aktion hätte ich zum Beispiel nie etwas von Psystar erfahren und auch niemals einen kompletten Artikel zu dieser Firma geschrieben.
Das wäre zwar immer noch ein seltsames Vorgehen, aber wie gesagt – man muss ja nicht alles verstehen.
P. S. Dass der OpenComputer alles in allem gar nicht mal so sehr viel billiger als ein echter Apple-Computer ist und auch sonst ziemlich zu wünschen übrig lässt, spielt im Grunde keine Rolle, sollte aber doch nicht unerwähnt bleiben.
