Lockvogel Flatrate

Montag, 14. April 2008, 6.58 Uhr | Giesbert Damaschke

Unter einer “Flatrate” versteht man im allgemeinen einen “All you can eat”-Pauschaltarif, der nach dem Motto “So viel sie wollen zu einem festen Preis” funktioniert.

Am häufigsten wird das Wort in Kombination mit “Daten-” oder “Telefon-” benutzt. Eine “Datenflatrate” meint dabei die uneingeschränkte Nutzung einer Internetverbindung zu einem festen, meist monatlichen Preis. Entsprechend ist eine Telefonflatrate ein Pauschaltarif, zu dem man innerhalb eines bestimmten Zeitraums beliebig oft und lang telefonieren kann.

Schon vor einiger Zeit habe ich mich darüber geärgert, dass mit dem eigentlich eindeutigen Begriff “Flatrate” in der Werbung verwirrend viel getrickst wird. So hieß es an dieser Stelle Mitte Juni 2006:

Doch wer nun glaubt, bei einer “Telefon-Flatrate” würden alle Telefonkosten durch eine monatliche Pauschale abgegolten, der sollte vor Vertragsabschluss noch einmal genauer hinsehen. Denn oft ist die scheinbare Flatrate nur von beschränkter Gültigkeit und umfasst etwa nur die Gespräche im Netz des Anbieters. Wer darüber hinaus noch mit dem Rest der Welt telefonieren möchte, muss dafür dann zusätzlich mehr oder weniger tief in die Tasche greifen.

Nun, das ist jetzt fast zwei Jahre her, aber die Situation ist keineswegs besser geworden. Im Gegenteil. Denn eine Telefon-Flatrate, die auf das Netzwerk des Anbieters beschränkt bleibt, ist doch immerhin eine Flatrate. Heute jedoch, so berichtet die FAZ, werben Telefonanbieter unmissverständlich mit “Flatrate” – und behalten sich trotzdem das Recht vor, Kunden, die es mit dieser Flatrate ernst nehmen, zu kündigen.

Da werden dann so windelweiche Einschränkungen gemacht wie “private Nutzung im üblichen Rahmen”, die natürlich völlig offen lassen, was denn unter “üblich” verstanden wird und die unterm Strich nur verschleiern sollen, dass die angebliche Flatrate doch eine Volumen- oder Zeitbegrenzung kennt und genau deshalb keine Flatrate ist.

Derzeit, so heißt es, häuften sich in Internetforen Beschwerden und Vorwürfe gegen Arcor und E-Plus. Kunden, die zu viel telefonieren oder zu oft im Internet surfen, laufen angeblich Gefahr, dass ihnen der Anbieter den Vertrag kündigt.

Da liegt der Verdacht nahe, dass es sich nicht um bedauerliche Einzelfälle, sondern um ein Kalkül des Anbieters handelt, der mit Angeboten wirbt, die er im Zweifelsfalle gar nicht einzuhalten gedenkt.

Genau das werfen mehrere Kunden dem Mobilfunkkonzern Arcor vor, die sich an die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gewandt haben. Dort war man nicht untätig und hat Klage gegen Arcor erhoben.

Schließlich könne man seine Kunde nicht mit dem Spruch “Endlos telefonieren!” ködern, um ihnen nach Vertragsabschluss mit Drohbriefen und der Aufforderung ins Haus zu fallen, die Telefonzeiten “umgehend und erheblich” zu reduzieren.

Bleibt zu hoffen, dass die Richter das genau so sehen.