Kleinvieh macht auch Mist

Dienstag, 12. Dezember 2006, 15.08 Uhr | Giesbert Damaschke

Seit einiger Zeit häufen sich bei mir eine ganz bestimmte Art von Spammails. Dabei handelt es sich nicht um die Bewerbung eines bestimmten Produktes, sondern mir wird dringend zum Kauf bestimmter Aktien geraten.

Winzige Investition, satte Gewinne

Die Firmen, um die es geht sind mir allerdings völlig unbekannt – die Amerossi Intl. Group zum Beispiel, oder Asgard Holdings, Wild Brush Energy und PRG Group. Allein in der Nacht von Sonntag auf Montag trafen gut 30 solcher speziellen Spams ein.

Abgesehen davon, dass mir die Unternehmen völlig unbekannt sind, haben sie noch eine weitere Gemeinsamkeit – ihre Aktien kosten lächerlich wenig.

So soll etwa eine Amerossi-Aktie 0,0006 US-Dollar, also 0,06 Cent kosten (ich wusste gar nicht, dass an der Börse mit so winzigen Beträgen gerechnet wird). Auch Asgard Holding ist mit 0,025 US-Dollar pro Aktie praktisch geschenkt, während Wild Brush Energy mit immerhin 5 Cent pro Aktie fast schon teuer ist.

So gering der Kaufpreis, so lukrativ sollen die Aussichten sein. Jede dieser Aktien soll mittelfristig, sagen angebliche, nicht weiter genannte Experten, ihren Wert vervielfachen. So soll zum Beispiel Amerossi von 0,06 auf 0,5 Cent steigen und Wild Brush Energy auf 12 bis 40 Cent klettern.

Ein solches Angebot scheint verlockend – die Aktien kosten ja praktisch nichts und das Risiko bleibt überschaubar. Wer zum Beispiel für 10 US-Dollar Aktien von Amerossi kauft und rechtzeitig wieder abstößt, könnte rund 100 US-Dollar einstreichen.

Pump & Dump

Aber natürlich handelt es sich bei den Aktienhinweisen um ein Betrugsverfahren. In Aktienkreisen spricht man hier von Pump & Dump. Eine Aktie wird auf den Markt „gepumpt“ und die Nachfrage künstlich erhöht (etwa durch die erwähnten Spammails). Sobald der Wert der Aktie auf diese Weise ein wenig nach oben getrieben wurde, stößt man sie wieder ab, kippt sie also gewissermaßen auf den Markt („to dump“) und sahnt ab.

Dabei geht die Kalkulation, dass Kleinvieh auch Mist mache, zwar auf – aber nur für den Betrüger, der sich vor der Spamwelle und Bewerbung einer völlig wertlosen Aktie entsprechend eingedeckt hat.

Nach dem Ausverkauf fällt der Kurs der Aktie drastisch in den Keller und für die anderen Käufer der Aktie gilt wieder einmal die alte Börsenweisheit, dass ihr Geld nicht weg ist – das hat jetzt nur ein anderer, nämlich der Betrüger.

Was wäre wenn … ?

Falls Sie oder einer Ihrer Bekannten immer noch glauben, dass sich mit diesen dubiosen „Penny Stocks“ vielleicht doch das große Geld verdienen lässt, dann schauen Sie sich doch mal den Spam Stock Tracker von Joshua Cyr an. Der nämlich führt seit dem 5. Mail 2005 penibel Buch über die Aktien-Angebote, die bei ihm so eintrudeln. Was wäre, so fragte er sich, wenn er alle Angebote wahr nehmen und jeweils 1000 Aktien kaufen würde?

Die Antwort ist niederschmetternd eindeutig: Er hätte bislang fast 60.000 US-Dollar verloren: Kleinvieh macht auch bei Verlusten Mist.