Kabelbruch im Mittelmeer

Mittwoch, 6. Februar 2008, 9.25 Uhr | Giesbert Damaschke

Wenn Sie derzeit nach Informationen auf Webseiten aus Indien, oder Ägypten abrufen und dabei feststellen, dass die Daten nur so dahergeschlichen kommen, dann ist nicht Ihr Internet-Provider schuld. Ihr Rechner hat sich auch keinen Virus eingefangen und auch Ihre Internet-Hardware ist in Ordnung.

Nein, schuld ist ein Kabelbruch, an einem Unterseekabel im Mittelmeer, das Palermo mit Alexandria verbindet und über das der größte Teil des Internet-Datenverkehrs mit Indien, Ägypten und den angrenzenden Ländern läuft. Ein einziges Schiff, so meldet der britische Guardian,  hat genügt, um im Kampf gegen schlechtes Wetter das quer durchs Meer verlaufende Kabel zu beschädigen und so dafür zu sorgen, dass rund 75 Millionen Menschen praktisch vom Internet abgeschnitten wurden.

Der Schaden soll zu Bandbreiteneinbrüchen von bis zu 70 Prozent geführt haben. Wie lange es dauern wird, ihn zu beheben, ist noch ungewiss, aber von heute auf morgen wird das natürlich nicht gehen.

Für die betroffene Region ist der Netzausfall denn auch schwerwiegend genug, schließlich ist der reibungslose, internationaler Datenverkehr für viele Unternehmen von vitaler Bedeutung. Denken Sie etwa nur an die Firmen in Indien, die digitale Aufträge für Unternehmen in aller Welt erledigen und deren wichtigster Vertriebskanal durch den Kabelbruch direkt bedroht ist. Oder an die international vernetzte Finanzwelt: ägyptischen Börsianer, meldet Reuters, haben etwa Probleme bei der Platzierung internationaler Orders.

Dieser Kabelbruch zeigt einmal mehr, wie fragil einerseits das Internet ist – und wie gleichzeitig robust und stabil es sein kann. Dank seiner dezentralen Struktur ist das Netz in der Lage, Störungen und Ausfälle zu umgehen. Es genügt ein defektes Kabel, um einen ganzen Subkontinent (beinahe) aus dem Netz zu hebeln, aber es gibt genügende Alternativerouten und Ausweichmöglichkeiten, über die die Datenpakete dann doch ihren Weg in die Welt finden.

Theoretisch gehen dabei keine Daten verloren, lediglich die Geschwindigkeit verlangsamt sich. In der Praxis würde ich mich allerdings nicht wirklich darauf verlassen, dass sämtliche Daten irgendwann vollständig ins Ziel kommen. Wenn der Ansturm der umzuleitenden Daten zu groß wird, können auch schon mal Server-Ausfälle durch Überlastung auftreten.