Internet Explorer 8: Die erste Beta ist da

Montag, 10. März 2008, 17.16 Uhr | Giesbert Damaschke

Es ist soweit, Microsoft macht Ernst. Seit einiger Zeit ist “Interoperabilität” das Zauberwort, das über allem schwebt, was der Konzern aus Redmond verlauten lässt. Gemeint ist damit, kurz gesagt, die reibungslose Zusammenarbeit von Produkten unterschiedlicher Hersteller auf unterschiedlichen Plattformen. Bislang verfolgte Microsoft so ziemlich das genaue Gegenteil, nämlich die Bindung der Kunden durch den Einsatz proprietärer Formate und Protokolle an die Softwarelösungen aus Redmond.

Das klingt ein wenig abstrakt, also rasch ein aktuelles Beispiel: den neuen Internet Explorer. Beim IE 8 will Microsoft alles richtig machen, was die Kritiker dem Browser bislang als Fehler angekreidet haben. Dieses Mal will man sich streng an die Web-Standards halten und nicht proprietäre Erweiterungen in den Markt drücken, deren einziger Zweck es ist, die Anwender in die Abhängigkeit zu treiben.

Welche Konsequenzen die Fixierung auf ein bestimmtes Produkt eines bestimmten Herstellers haben kann, lernen derzeit die Firmen und Webdesigner, die sich zu sehr auf die Besonderheiten des IE 6 und des IE 7 eingelassen haben. Denn deren Webseiten funktionieren nur in diesen beiden Browsern wirklich so, wie sie geplant sind. Das ist solange kein Problem, solange Kunden und Anwender mit genau diesem Browser arbeiten. Doch das ist schon seit längerer Zeit nicht mehr der Fall. Firefox weist etwa Marktanteile zwischen 10 und 25 Prozent auf – und das sind Werte, die man nicht einfach ignorieren kann.

Der IE 8 soll daher, erstmals in der Entwicklungsgeschichte des Browsers und für Microsoft geradezu revolutionär, die allgemeinen Standards über die Eigenentwicklungen stellen (die es natürlich nach wie vor gibt, aber als Option und Angebot an den Anwender). Damit wären die “für den IE optimierten” Webseiten endgültig Geschichte und Microsoft würde der Konkurrenz mit Fähigkeiten und Featuren des IE 8 Paroli bieten, nicht mit proprietären Verzahnungen mit der Systemumgebung.

Nun liegt der IE 8 in der ersten Beta-Version vor und kann von jedermann ausprobiert werden. Doch Vorsicht! Diese Version ist noch in einem frühen Entwicklungsstadium und sollte nur auf dezidierten Testsystemen eingesetzt werden! Sie richtet sich ausdrücklich an Entwickler und Designer, nicht an Anwender. Damit Sie sich trotzdem einen ersten Eindruck vom neuen IE verschaffen können, stellt Microsoft die neuen Feature des Browsers in kleinen Videosequenzen vor.

Bis der Browser aber tatsächlich verfügbar ist, werden noch einige Monate ins Land gehen. So ist die zweite Beta erst für die zweite Jahreshälfte angekündigt, die Final-Version wird vermutlich Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres herauskommen.

Lassen wir uns überraschen, wie ernst es Microsoft mit dem Schlagwort der “Interoperabilität” wirklich ist.