Ich, der Bilderdieb

Donnerstag, 24. Januar 2008, 6.30 Uhr | Giesbert Damaschke

Jetzt hat es also auch mich erwischt. Ausgerechnet ich, der ich von der Verwertung meiner Urheberrechte lebe und der es eigentlich besser wissen sollte, habe wegen einer Urheberrechtsverletzung eines auf die Finger bekommen. Der Fall ist eindeutig, die Lage klar und der Schmerz wird durch ein fatalistisches “selbst schuld” ein wenig gemildert. Denn schließlich habe ich wider besseres Wissen gehandelt und habe gewusst, dass ich das, was ich da tue, streng genommen nicht tun darf. Ich hoffte einfach darauf, dass man da auch mal Fünfe gerade sein lassen könnte. Kann man nicht.

Auslöser des Geschehens war meine Bewunderung für den Schriftsteller Ror Wolf. Der feierte Mitte letzten Jahres seinen 75. Geburtstag, was mir willkommener Anlass war, in meinem privaten “Notizen”-Blog die Links zu den verschiedenen Geburtstagsartikeln als kleine virtuelle Presseschau zusammenzutragen.

Dabei stolperte ich auch über ein wunderbares Foto des Autors, das mir aus dem Verlagsprospekt bekannt war und von der österreichischen Zeitung “Der Standard” veröffentlicht wurde. Es wäre doch schön, dachte ich, wenn dieses grandiose Bild auch bei meiner Linkliste auftauchen könnte.

Hätte es sich nicht um einen kleinen Blogeintrag, sondern um einen Artikel gehandelt, hätte ich mich an den Verlag gewandt und nach einem Pressefoto gefragt. Für den Eintrag in meinen privaten Notizen wollte ich weder diesen Aufwand treiben, noch erst recht nicht die mehrtägige Verzögerung in Kauf nehmen, die so eine Anfrage zwangsweise mit sich bringt.

Da ich auf den Webseiten des Verlages keine offiziellen Pressefotos fand, wollte ich mein Vorhaben aufgeben, konnte aber dann doch nicht widerstehen: ich kopierte das Foto in mein Blog. Mit schlechtem Gewissen und einem Copyright-Vermerk, aber trotzdem.

Heute bekam ich (ohne weitere Vorwarnung, aber dafür mit Androhung eines Strafverfahrens) eine Rechnung des Fotografen, den irgendein Zufall wohl auf diesen längst vergangenen und von mir vergessenen Blogeintrag stoßen ließ.

Dabei habe ich noch Glück im Unglück: der Fotograf verlangt für die nicht nachgefragte, ungenehmigte Nutzung seines Fotos für die letzten sechs Monate 300 Euro (plus Mehrwertsteuer). Das ist natürlich eine Ausgabe, die ich mir gern erspart hätte, aber die Rechnung hätte auch höher ausfallen können.

Natürlich habe ich das Bild sofort entfernt und die Rechnung bezahlt. Denn dass man auch ganz anders hätte vor- und miteinander umgehen können, ist ja leider kein Argument, sondern nur eine Illusion, die ich mir manchmal leiste.