Hören Sie mal!

Mittwoch, 19. Dezember 2007, 19.52 Uhr | Giesbert Damaschke

Zwar habe ich auf meinem iPod sehr viel Musik gespeichert, auch ein paar Videos und Podcasts (80 GB Festplattenkapazität bieten schließlich genügend Platz). Doch wenn ich mir mein Benutzerverhalten in den letzten Monaten einmal in Ruhe ansehe, dann muss ich feststellen, dass ich den iPod kaum zum Musikhören benutze. Auch nicht, um Videos zu gucken oder Podcasts zu verfolgen.

Statt dessen höre ich mir Hörspiele auf dem iPod an oder lasse mir Bücher vorlesen. Meine anfängliche Skepsis gegen Hörbücher hat sich gelegt, als ich das erste Mal Christian Brückners markante Stimme den Moby-Dick lesen hörte.

Es ist lediglich ein wenig lästig, dass ich mir bei manchen Hörbüchern bzw. Hörspielen zuerst die CDs kaufen muss, um die Daten anschließend auf den iPod zu kopieren. Entschieden einfacher ist es da natürlich, wenn ich mir die gewünschten Daten direkt aus dem Internet auf den iPod lade.

Damit scheine ich mich einer stetig wachsenden Benutzergruppe angeschlossen zu haben. Denn der Hörbuchmarkt boomt – und nicht nur beim CD-Verkauf, sondern auch und besonders beim Download.

Derzeit, so meldet Audible, einer der führenden Hörbuchanbieter im Internet, betrage der Anteil der Hörbuch-Downloads am gesamten Hörbuchmarkt gute 15 Prozent. Für das Jahr 2007 will Audible mit dem Verkauf von Hörbuchdateien via Internet die 100-Millionen-Dollar-Marke passieren und peilt einen Umsatz von 106 bis 108 Millionen an.

Hierzulande machen Hörbuch-Downloads erst fünf bis zehn Prozent vom Gesamtmarkt aus, aber der Markt steht erst am Anfang. Derzeit erscheinen die ersten Hörbücher, die explizit für den Download eingelesen wurden und erst gar nicht auf CD erscheinen. Das ist gleich aus zwei Gründen sinnvoll.

Zum einen entstehen bei der herkömmlichen Produktionsmethode ganze Berge von CDs. Fünf, zehn oder gar mehr CDs pro Hörbuch sind da keine Seltenheit.

Zum anderen sind diese CD-Stapel ein im Grunde überflüssiger Zwischenschritt, der lediglich die Zahl der Staubfänger in der Wohnung erhöht. Schließlich landen die eigentlichen Daten immer häufiger auf einem MP3-Player.

Kein Wunder, dass Anbieter wie Zweitausendeins schon vor einiger Zeit dazu übergegangen sind, sehr umfangreiche Romane wie Musils “Mann ohne Eigenschaften” oder Melvilles “Moby-Dick” als MP3-Dateien auf CD oder neuerdings auch DVD anzubieten. So passen selbst Tausendseiter auf lediglich zwei Datenträger.