Handys und Schokolade
Wer zu einem Besuch oder Geburtstag oder einfach mal so ein kleines Gastgeschenk oder Mitbringsel sucht, der kann mit Schokolade eigentlich nicht viel falsch machen. Und wenn die Schokolade auch noch in ansprechender Form daherkommt, wird die kleine Nascherei erst Recht auf Zuspruch stoßen. So war es vor einiger Zeit in IT-Kreisen mitunter üblich, kleine Schokoladen-Computer oder fast echt wirkende Handys aus Schokolade zu verschenken.
Wer allerdings heute glaubt, damit bei der jüngeren Verwandtschaft punkten zu können, der sieht sich enttäuscht. Denn heutige Jugendliche, so das Ergebnis einer neuen Marktstudie des “Wireless World Forum”, legen mehr Wert auf Handys als auf Schokolade – ein Handy aus Schokolade könnte da eher als schlechter Scherz verstanden werden.
Die Ergebnisse der Studie sind erstaunlich. So soll das Einstiegsalter für das erste Handy heute bei acht Jahren liegen (ich war 35, als ich meinen ersten Mobilfunkvertrag abschloss). Und wer früher anfängt, zahlt auch länger ein: Im Laufe ihres Lebens werden die Handy-Kids fast als 21.000 Euro an die Mobilfunkkonzerne bezahlen – für Gebühren, für Dienstleistungen, für Zubehör und für neue Geräte. Da kommen im Jahr ganz schöne Summen zusammen. Für 2007 gehen die Marktforscher davon aus, dass die Jugendlichen zwischen fünf und 24 Jahren insgesamt 110 Milliarden Euro (!) für den Mobilfunk ausgeben.
Dieses Geld muss natürlich irgendwo her kommen. Und da die Kinder und Jugendlichen heute zwar ein Handy, aber dadurch nicht mehr Geld haben, wird an anderer Stelle gespart. Und so soll mancher Euro, der früher für Zigaretten, Süßigkeiten und CDs ausgegeben wurde, heute fürs Handy ausgegeben werden.
Allerdings fragt man sich, wie seriös diese Studie eigentlich ist oder auch nur sein kann. Mag man die Mobilfunk-Ausgaben für das laufende Jahr auch noch ganz gut abschätzen können, so scheint mir eine Prognose über die gesamte Lebenszeit doch mehr als gewagt. Schließlich ändern sich in der Mobilfunk-Branche alle paar Monate die Parameter.
Nichts hat die gesamte Branche samt Marktforschern und Analysten zum Beispiel mehr überrascht als der Siegeszug von SMS. Niemand wollte so recht glauben, dass man mit Klingeltönen Geld verdienen kann. Die Mobilfunk-Flatrates in Kombination mit rapide sinkenden Preisen dürften auch so manche Prognose und Studie zu Makulatur gemacht haben.
Wir wissen ganz einfach nicht, welche Überraschungen die technische, soziale und nicht zuletzt auch politische Entwicklung (dass sich die EU einmal in die Preisgestaltung einmischen könnte, hätte vor ein paar Monaten auch kaum jemand ernsthaft ins Kalkül einbezogen) mit sich bringen wird.
Die Zukunft ist ein gestaltungsoffener Raum, über den man mal mehr, mal weniger überzeugend spekulieren kann – mehr allerdings auch nicht. Und eigentlich ist das auch ganz gut so.
