Handy schlägt Festnetz – und warum das ein Problem der Demoskopen ist
Derzeit laufen in den USA die Vorwahlen, bei denen es um die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten der Parteien geht. Bei den Republikanern ist die Sache wohl klar, hier wird John McCain antreten. Doch bei den Demokraten liefern sich Hillary Clinton und Barack Obama ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Eine wichtige Rolle spielen hier die Meinungsforscher, auf deren Einschätzung der Stimmung die Kandidaten ihre Wahlstrategie gründen. Allerdings liegen die Prognosen dieses Mal in einem Maße daneben, dass man nur erstaunt zuschauen kann.
Da wird Clinton etwa ein drastischer Einbruch in Kalifornien vorhergesagt – und sie gewinnt triumphierend. Da soll Obama in Maine chancenlos sein – und er sichert sich doch die Stimmen in diesem Bundesstaat.
Nun wollen Kritiker den Grund für die komplett falschen Prognosen gefunden haben: die Methoden der Wahlforscher laufen der Wirklichkeit hinterher und entsprechen nicht mehr dem sozialen Gefüge und den Kommunikationsgewohnheiten der Bevölkerung.
Denn die Wahlforscher gelangen durch Telefoninterviews zu ihren Ergebnissen. Das ist zwar eine übliche Praxis, aber man konzentriert sich hier ausschließlich auf Festnetz-Anschlüsse. Doch da die viele Leute und vor allem Jungwähler überhaupt kein Festnetz mehr benutzen, sondern vor allem per Handy erreichbar sind, fallen sie bei den typischen Umfragen ganz einfach durchs Raster.
Und als wäre das noch nicht schlimm genug, stehen die Demoskopen gleich vor dem nächsten Problem. Sie können nämlich nicht einfach Handy-Nummern in ihre statistischen Samples aufnehmen und alles wird gut. Man weiß schließlich nie, unter welchen Umständen man jemanden auf dem Handy erreicht. In der Kneipe, beim Einkaufen, auf der Straße, im Gespräch – es gibt unendlich viele Möglichkeiten und Situationen und jede hat Einfluss auf die Auskunftsfreudigkeit des Angerufenen und die Glaubwürdigkeit seiner Angaben.
Für jemanden, dessen tägliches Geschäft so eng mit dem Telefon verknüpft ist wie bei den Meinungsforschern wird der Erfolg der Mobiltelefone zu einem grundlegenden Problem: einerseits können sie die Entwicklung nicht einfach ignorieren, andererseits haben sie noch kein hinreichendes Instrumentarium entwickelt, um Telefonumfragen per Handys korrekt auszuwerten.
Noch scheint sich die statistische Verzerrung im Rahmen zu halten, aber die Entwicklung lässt sich wohl kaum noch aufhalten. Ich bin da mal auf die nächsten Wahlprognosen gespannt.
