Google und der Androide; oder: Warum sich Apple warm anziehen muss

Donnerstag, 15. November 2007, 13.18 Uhr | Giesbert Damaschke

Vor wenigen Tagen stellte Google im Rahmen einer Telefonkonferenz “Android” vor. Dabei handelt es sich um eine auf Linux basierende Betriebssystem-Plattform für mobile Endgeräte. Google will Android so offen und frei wie nur irgend möglich lizensieren – im Prinzip an alle und jeden. Gleichzeitig gab man die Gründung der “Open Handset Alliance” bekannt, die für offene und gemeinsame Standards bei Handy, Smartphones, PDAs & Co. eintritt.

Diese Telefonkonferenz sorgte nicht nur bei mir für eine gewisse ernüchternde Enttäuschung. Seit Monaten kursierte das Gerücht, Google wolle in den Handy-Markt einsteigen – und dann gab es kaum mehr als ein paar lauwarme Absichtserklärungen und eine Allianz, bei der Marktführer Nokia demonstrativ fehlt.

“Aus 30 Verlierern wird durch eine Allianz kein Gewinner” spottete man und Microsofts Steve Ballmer tat “Android” als “Presseerklärung” ab, nicht als ernstzunehmenden Konkurrenten für Windows Mobile.

Doch da hat man sich wohl getäuscht. Denn jetzt hat Google das so genannte SDK (Software Development Kit) für Android freigegeben. Jeder, der will, kann ab sofort Applikationen für Android entwickeln. Jeder Hersteller von Mobiltelefonen, kann das Betriebssystem herunterladen und ganz nach seinen Wünschen an seine Hardware anpassen.

Das allein wäre noch keine neue Meldung – aber gleichzeitig stellte Google ein Video auf Youtube bereit, in dem die Möglichkeiten von Android und der aktuelle Entwicklungsstand gezeigt wird (der verwuschelte junge Mann mit Schlabber-T-Shirt zu Beginn ist übrigens einer der beiden Gründer von Google).

Und spätestens hier wird es den Kritikern wohl ein wenig die Sprache verschlagen. Das, was da auf zwei Prototypen gezeigt wird, ist definitiv keine bloße Absichtserklärung und keine Pressemitteilung für irgendetwas, das es irgendwann vielleicht einmal geben wird, sondern Android ist ein weit fortgeschrittenes, sehr leistungsfähiges System mit enormem Entwicklungspotential.

Android scheint sich aus dem Stand auf Augenhöhe mit Apples iPhone gebracht zu haben – was jetzt noch fehlt, sind Hersteller von Mobiltelefonen, die Android als Betriebssystem wählen und Entwickler, die die Möglichkeiten des System mit neuen Applikationen und Anwendungen ausloten.

Das dürfte für Google allerdings das kleinste Problem sein. Denn mit Android bietet man eine mit dem iPhone vergleichbare Plattform, gewissermaßen ein vollständiges Desktop-System im Handflächenformat. Für Entwickler ist Android eine überaus reizvolle Plattform – zumal sich Apple derzeit gegen fremde Programme auf dem iPhone sperrt und ein SDK erst für Februar nächsten Jahres angekündigt hat.

Und damit der Appell an die Entwickler nicht ungehört verhallt, hält Google Preise und Auszeichnungen zwischen 25.000 und 275.000 US-Dollar parat. Insgesamt will man auf diesem Weg 10 Millionen US-Dollar in die Entwicklergemeinde pumpen.

Nicht nur für Apple ist Googles Androide ab sofort ein ernst zu nehmender Herausforderer.